Tarub Bagdads berühmte Köchin

Das fünfte Kapitel.

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Piepsend schießen Schwalben vorüber —  vorüber an dem reichen Said ibn Selm, der unter seinem kostbaren Zeltdache steht und eine lange Küchenrechnung liest.

Und er murmelt in seinen rechteckigen Bart:

»Die Gewürze werden zu teuer —  viel zu teuer; die Tarub verbraucht zu viel —  viel zu viel. Alles viel zu teuer —  viel zuviel!«

Saids ältester Sklave, der Hausmeister, wagt es, mit dem Kopfe zu schütteln.

Said fragt erstaunt:

»Oh, mein Hausmeister, warum schüttelst Du mit dem Kopf?«

»Oh, Herr!« antwortet der alte Sklave treuherzig, »die Tarub ist die sparsamste Köchin, die ich jemals sah.«

»Das glaubst Du selbst nicht!« ruft zornig der Herr des Hauses —  er wendet sich und geht ab.

Der Hausmeister steht einen Augenblick allein und denkt nach.

Dann klatscht er in die Hände, und es erscheinen hübsche junge Knaben mit Räuchergefäßen und kupfernen Waschbecken, mit prachtvollen Teppichen und großen gurkenförmigen Papierampeln, die ganz dunkelrot sind.

Unter dem kostbaren Zeltdache, das schräg von der Hauswand in den Garten hinuntergeht —  wie ein schlaffes Segeltuch —  auf Saids berühmter Estrade —  soll gleich das üppige Abendessen eingenommen werden, zu dem Battany und seine Freunde feierlich geladen wurden.

Die viereckige sehr geräumige Estrade ist vorn offen und führt da in den Garten —  rechts, links und hinten wird sie durch Teppiche abgeschlossen, die man zurückziehen oder leicht an die Seite schlagen kann, wenn Jemand durch will…

Die Knaben hängen flink vorn am Zelttuch die Ampeln auf, stellen die Räucher—  und Waschgeräte in die Ecken, breiten die Teppiche, die sie mitbrachten, auf den Boden und verschwinden dann wieder —  fast geräuschlos.

Der Hausmeister ist abermals allein.

Der Springbrunnen im Garten plätschert sehr laut und sehr lustig.

Es wird allmählich dunkler.

Und wie’s nun so dämmerig ist, schiebt sich vorsichtig rechts durch die Teppiche ein reizendes weißes Gesicht durch —  mit feuerroten Haaren, in denen weiße Rosen stecken —  das ist die eitle Abla.

Und links erscheint ein gelbes Gesicht mit großen braunen Augen und schwarzen Haaren, in denen blaue Veilchen stecken —  das ist die Sailóndula —  ein Mädchen aus dem fernen Indien.

»st!« macht das Mädchen rechts.

»st!« macht das Mädchen links.

Und dann kommen sie Beide vor und umarmen den Hausmeister.

ps_jagd7
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