Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Besorgt fragt die Tarub:

»Hast Du Leibschmerzen?«

Safur schüttelt den Kopf und zerteilt wieder mit dem zierlichen kleinen Spatenmesser die Steppeneier, tut Sonnentunke mit einem Porzellanstäbchen hinauf —  und ißt wieder —  langsam —  bedächtig —  schmeckend.

Der Dichter will dann Kamelsmilch.

Und in einer feinen Tonschale, die mit krausen Blumen bemalt ist, reicht Bagdads berühmte Köchin die Milch ihm hin. Und er trinkt in langen Zügen —  schlürfend —  mit der Zunge schnalzend —  lächelnd.

Die Tarub pökert währenddem mit der Feuerzange in den glühenden Holzkohlen herum, rückt den Dreifuß zurecht, setzt eine Bratpfanne hinauf und schmilzt Fett darin. Sie legt sodann einen großen Windfisch ins Fett und bratet den Fisch.

»Mir ist behaglich zu Mute«, sagt der Dichter.

Er kaut den frischen sauren Waldsalat, und dabei schweift sein Blick über die langen Reihen buntfarbiger irdener Kruken und Krüge, die auf den Wandbrettern stehen und sich prächtig von der weißen Kalkwand abheben. Viele Schüsseln stehen auch ringsum an den Wänden.

Neben der Wassertonne liegt gehacktes Holz und brauner Torf.

Auf einem geheizten schwarzen Holzgestell thronen feierlich Porzellanschalen und Tassen —  mit Blumen und seltsamen Figuren bemalt. Das Porzellan ward aus dem fernen China auf Dschunken nach Bagdad gebracht. An diesem Porzellan bleiben Safurs Blicke hängen, und er meint lachend:

»Du, Tarub! Jetzt habe ich bald aus allen jenen Schalen und Tassen, die dort auf dem schwarzen Gestell stehen, gegessen und getrunken, nicht?«

»Ei ja!« erwidert das braune Mädchen, »aber sage mal: schmeckt es Dir denn auch? Du sagst heute Nichts!«

»Wie sollte mir«, ruft der oftmals überschwängliche Dichter, »das, was Du kochst, jemals nicht schmecken? Ist doch unmöglich. Ich habe ja schon Alles aufgegessen. Tarub, Niemand kocht wie Du —  glaub’s mir! Gib mir Brot und den Salzbottel.«

Tarub nickt vergnügt, als wär‘ ihr was geschenkt.

Der Windfisch ist gebraten —  ganz knusprig. Die große Köchin kostet ihn und sagt: »Hm!«

Danach stellt sie Brot, Salz und Fisch vor ihren lieben Dichter und sagt: »Nun?«

Er streichelt ihre Hand und will noch eine Zitrone —  bekommt sie auch gleich.

Der braun gebratene knusprige Windfisch liegt auf einem silberblanken Zinnteller.

Tarub kauert sich Safur gegenüber an die Erde, betrachtet ihn —  —  —  freut sich, daß es ihm schmeckt.


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