Tarub Bagdads berühmte Köchin

Das vierte Kapitel.

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Und Safur lehnt an Tarubs Küchentür, er ruft mit seitwärts geschobenem Kopf:

»Ich stünde nimmer ganz allein, Wenn ich ewig könnte bei Dir sein.«

Doch die Tarub stemmt die Fäuste in die Seiten und sagt zornig:

»Jetzt kommst Du erst? Ist jetzt Morgen? Die Sonne geht ja bald wieder unter. Ich laß mir das nicht mehr gefallen!«

»Tarub!« erwidert wehmütig der Dichter, »sei nicht so böse! Battany lud uns zu einer Kahnfahrt ein. Wir sind eben erst zurückgekehrt. Ärgre Dich nicht! Nein?«

Tarub —  schnell besänftigt —  sagt rasch:

»Na ja! Ausreden hast Du immer —  daran fehlt es Dir nicht!«

Bei diesen Worten hebt sie schon wieder geschäftig einen Kochtopf vom Feuer runter, stellt ihn auf die Platte und holt mit einem Blechlöffel vorsichtig das Fleisch aus dem Topfe heraus. Das Feuer schlägt lodernd in den rußigen Schornstein empor.

In der Küche des reichen Said ibn Selm schaltet die Tarub wie eine Herrin. Sie wird fast rot vor Eifer.

Der Dichter flüstert ihr ins Ohr:

»Ja, ja! sei nur schön ernst —  das steht Dir gut —  ich weiß ja.«

Und da lacht die Tarub über das ganze Gesicht. Safur aber greift nach ihrer Hand, die noch immer den Blechlöffel hält, berührt sehr demütig mit den Lippen die braunen Finger und sieht dann mit hochemporgezogenen Augenbrauen unter seinem braun und blau gestreiften Beduinengewande zur lachenden Köchin auf.

Tarub schüttelt vergnügt den Kopf, schreit aber plötzlich: »Nein —  wie Du wieder aussiehst!«

Indes das kümmert den Dichter, der nie an seiner Schönheit zweifelt, sehr wenig, denn er schließt seiner braunen Köchin den Mund mit einem Kuß.

Safur wandelt alsdann in der mit roten Mauersteinen gepflasterten Küche langsam auf und nieder. Er schaut immer wieder Tarubs grünen Wollrock an, der wie ein Sack in steifen Falten den Körper umschließt.

Der grüne Rock hängt an roten Lederriemen, die über die Schulter gehen und hinten sich kreuzen.

Das weiße Leinenhemd, das den Oberkörper faltig umschließt, sieht auch sackartig aus. Ganz kurz sind die Ärmel des Hemdes, das so bläulich— weiß aussieht wie Kuhmilch, die verwässert wurde.

Die kräftigen braunen Arme wirtschaften am Herde so eifrig herum, daß der für gewöhnlich nicht sehr lebhafte Dichter ganz überrascht ist durch diese flinken braunen Arme…

Die Tarub ist fest gebaut wie aus Erz. Ihr schwarzer Zopf fliegt bei jeder Bewegung bald nach rechts —  bald nach links.

Jetzt wendet sie das breite Gesicht zu ihrem Dichter. Ihre großen schwarzen Augen glänzen unter buschigen Brauen. Sie zeigt ihm ihre weißen Zähne, schüttelt sich das schwarze strähnige Haar aus der niedrigen Stirn und fragt leise:

»Was ist Dir denn wieder in die Krone gefahren?«

Safur blickt seine Köchin nachdenklich an und sagt ernst:

»Ich habe Hunger, Tarub!«

»Pfui!« ruft sie da, »schämst Du Dich nicht? Ein solcher Feinschmecker wie Du hat Hunger?«

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