Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Abu Maschar hielt inne, seine Augen glänzten im grellen Fackellicht —  wunderbar schön.

Alle hatten aufmerksam zugehört.

Safur und Suleiman sahen —  —  bewundernd den großen Propheten an; den Dichtern paßte die Weisheit des großen Sterndeuters.

Jakuby jedoch und auch Battany sträubten sich gegen diese Weisheit, hätten gerne gleich erwidert… wenn sie nur gewußt hätten —  wie —  und was.

Osman und Kodama fühlten sich auch nicht angenehm berührt. Kodama mochte nicht allzu viel nachdenken, liebte die längeren, umständlichen Erörterungen ganz und gar nicht —  liebte die bequeme Kürze, den gedrungenen Witz, das abschneidende Schlagwort…

Und Osman —  ja —  der wußte nicht recht, ob Abu Maschar die richtige Persönlichkeit sein würde, den Abu Hischam mit seinem dummen Gelehrtenbunde mundtot zu machen. Der dicke Schreiber kannte den leicht erregbaren Philosophen sehr genau —  so leicht war der nicht tot zu kriegen.

Und richtig —  es dauerte auch garnicht lange, und der Philosoph machte durch deutliche Hand—  und Armbewegungen der Gesellschaft verständlich, daß er bereit wäre, dem Propheten mit kräftiger Lunge Bescheid zu sagen. Abu Hischam rief gellend —  zornig mit den Fäusten gen Himmel drohend:

»Prophet! Der Unsinn, den Du uns da auftischen willst, schreit zum Himmel wie Abels Blut!«

Die Gesellschaft wird erregt.

Die Sklaven blicken scheu zur Seite.

Doch Battany wird plötzlich auch lebhaft.

»Halt!« stößt er heftig vor, »jetzt haben wir, dächt‘ ich, für heute genug reden gehört. Sehr schöne Reden waren’s —  sie waren nur leider zu schön. So was strengt an. Ich möchte was vorschlagen. Wir sind morgen Abend bei Said ibn Selm zum Abendessen geladen. Wir könnten also morgen Abend weiter reden. Überlegen wir uns bis dahin, wie wir dem weisen Abu Maschar am besten antworten könnten! Seid Ihr einverstanden? Ja? Ich bin müde!«

Lautes »Ja!« in den verschiedensten Formen tönt von allen Lippen… erleichtert fühlen sich Battanys Freunde.

Nur Abu Hischam murrt ein bißchen.

Doch das geht vorüber.

Die Sklaven verteilen schon die Wolldecken.

Und Alle freuen sich auf den Schlaf.

Die Fackeln werden ins Wasser geworfen.

Die Sterne werden blasser und blasser.

Die Sklaven ziehen die Segel ein.

Der Steuermann dreht um.

Und die langen Riemen heben plätschernd die Barke immer wieder höher, bringen sie langsam stromaufwärts —  langsam.

Dicht am Uferschilf rudern die Sklaven.


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