Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Alsdann werden Datteln und Bananen, Feigen und Kirschen, Äpfel und Mandeln, Weintrauben, Pfirsiche, Nüsse, Oliven, Erdbeeren und kleine ovale Honigkuchen in fein getriebenen Metallschalen herumgereicht…

Kodama knackt eine Nuß und fragt den Safur, der in der Linken den Pokal und die Rechte noch immer im Wasser hält: »Sage mal, lieber Freund, Du siehst so träumerisch mich an —  denkst Du an Deine Tarub? wie geht es denn Deiner berühmten Köchin? wird sie nicht bald wieder eine neue Torte backen? —  mit Zucker, Zitronen und —  und frischen Kräutern oder so was weich Zerfließendes? Hm?«

»Frag sie doch selber«, gibt Safur zurück, »warum soll ich jetzt an die Tarub denken? Die Nacht ist so prächtig, und ich fühle nur, wie wohlig sich das Wasser anfassen läßt. Die Empfindungen der Hand scheinen mir augenblicklich noch viel feinsinniger als dieser Eiswein. Trink Du, Abu Maschar! Und wenn Du mir einen Apfel schälen wolltest, würd‘ ich Dir dankbar sein. Hier ist mein Dolch.«

Abu Maschar nickt, nimmt den Dolch und schält den Apfel.

Kodama wendet sich an Osman und versucht, ihn wieder zu trösten.

Osman lächelt schwach und meint:

»Die Luft ist sehr erquickend. Wenn jetzt ein Dichter Obstverse vortrüge, würd‘ ich mich sehr freuen.«

Dabei lächelt der Dicke schon ganz behaglich, ißt eine rote Kirsche nach der andern —  und fühlt sich allmählich immer wohler —  vergißt sein Geschäft und seine Sorgen.

Die Kirschen sind gut.

Safur, der sonst für jede Speise, für alles Süße und für alles Saure prickelnde Vierzeiler aus seinem Beduinengewande herauszuschütteln pflegt, schweigt —  schweigt hartnäckig.

Suleiman, der am Maste sitzt, beugt sich daher bedächtig zu den beiden Dicken hinüber und spricht laut mit emporgezogenen Augenbrauen:

»Ich sah im Traume eine Apfelkrone, Und die stülpt ich mir behutsam auf den kahlen Kopf. Doch Osman schenkte stöhnend mir zum Hohne Einen Kirschenzepter, tragen sollt ich den als Zopf.«

Alle lachen nun sehr laut. Suleiman muß seine Verse wiederholen. Selbst Battany muß lachen.

Nur Osman lacht nicht. Der nimmt behutsam seinen weißen reinen Turban ab und reicht ihn dem alten Dichter, der kopfnickend für den neuen seinen alten gibt.

Jetzt wird’s gemütlich.

Wieder geht der Goldpokal mit dem köstlichen Scherbett von Hand zu Hand. Der Wind bläst noch kräftiger in die Segel. Die Wellen klingen hell plätschernd um die Planken. Die Sterne funkeln. Die Barke schaukelt.


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