Liwûna und Kaidôh

ps_089 Es bleibt nach diesen Worten ein fernes Brummen wie von Bienenschwärmen in der Finsternis, und Kaidôh denkt wieder an den Schlaf und möchte träumen. Und er träumt von weiten Wunderländern, die er noch nie gesehen hat, und ihm ist plötzlich so, als offenbare sich ihm plötzlich das ganze Allwesen, und es durchrauscht ihn; es wird ihm Alles so klar —  traumklar.
Da weckt den Träumer ein zwitscherndes Flötengedudel, und lachende Kinderstimmen singen zu den Flötentönen:

„Gross ist das Weltensein!
Alles gehört hinein.
Gestern noch kam ein Kind,
Schrie wie ein wilder Wind,
Pries den ganzen Weltenlauf,
Blies sich dabei drollig auf,
Tat, als läge jede Note
Fein seciert auf seiner Pfote,
Und sprach von einem Wunderland,
Das allen Weisen unbekannt,
Als wärs fürwahr sein Vaterland.
Wir sagten: So —  so —  so!
Du bist recht zauberfroh!
Und das jenseits war seine Mütze.
Das Bekannte nannte er Pfütze.
Kindchen, lass das Schreien bleiben,
Sonst wird Dich ein Floh vertreiben.“

Und die Flöten dudeln —  und entfernen sich nach allen Richtungen.
Es steckte eine Marschmelodie in den Versen.
„Köpfe können doch nicht marschieren!“ sagt Kaidôh.
Er wagt es nicht, noch einmal zu träumen.
Tiefe Frauenstimmen sprechen im Chore:

„Dunkel bleibt uns immer was.
Doch es giebt ein Träumen
Ueber allen Räumen.“

Nachdem die Echos auf diese Worte lange nachgehallt haben, ist das Bienengebrumm abermals zu hören.
Es wird etwas heller.
Dumpfe Pauken dröhnen in der Ferne, und Trommeln rasseln wie Ketten, und zu dem Getöse singen viele Stimmen schreiend durcheinander:

„Jede tolle Narrenpein
Wird ja wohl notwendig sein.“

Diese Verse werden sieben Mal wiederholt, und die Stimmen —  es sind lauter Knabenstimmen —  schreien jedesmal lauter, sodass der Gesang schliesslich zum Gekreisch wird, das schliesslich in Gewimmer umkippt und dann plötzlich weg ist.
Und nun wirds allmählich hell.
Und Mondlicht umfliesst den grossen Kaidôh.
Es wird so still, dass Kaidôh sein Herz klopfen hört.

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