Die große Revolution

ps_084  Mafikâsu hörte das und zitterte und wurde glühendrot, doch gleich darauf wurde er wieder silbern wie sonst – und dann kam ein grünlicher Ton in seine Hände – und als der Führer der Weltfreunde das bemerkte, erschrak er heftig – denn die grüne Farbe am Leibe der Mondleute bedeutet Ärger und Stimmungen, deren sich jeder Mondmann schämt.
Und Mafikâsu ließ den Kopf sinken und schwebte langsam weiter.
In den großen Todesgrotten wars immer sehr still, und das leise Flüstern auf den Terrassen machte die Stille noch empfindlicher.
Hoch oben in den meilenhohen dunklen Deckengewölben glitzerten Goldmassen, als wärens Sterne am dunklen Himmel.
Und die Wände mit ihren Zacken und Torbögen waren alle dunkelviolett und so wie von Sammet, und auf den glatten Bodenflächen der Terrassen flimmerte es – wie von dunklen Perlen.
Und auf diesen Terrassen mit dem dunklen Perlenglanz lagen die alten Mondleute bequem auf der Seite – den Kopf in der Hand – die runzliche Ballonhaut ihres Leibes war ihnen zum Diwan geworden.
Und vor ihnen wuchs – hellblau geisterhaft leuchtend – der Rumpf ihres neuen Ichs aus ihrem Leibe heraus.
Die Neuen waren immer hellblau – so lange die Alten noch da waren.
Und die Sterbenden konnten, während sie bequem auf der einen Seite ihrer Ballonhaut lagen, auf der anderen Seite ihr neues Leben wachsen sehen- und sprechen hören.
Und das Alte und das Neue war so freundlich zueinander, daß es einfach rührend erschien.
Und die Hellblauen wuchsen langsam und stetig, und die Alten schrumpften im selben Maße zusammen.
»Die Anschauung!« flüsterte ein Hellblauer.
Und ein andrer sagte leise:
»Der Einklang mit dem Daseienden!«
Und ein Dritter sagte:
»Stetes Zusammenklingen mit dem, was wir haben!«
Und ein Vierter sprach ganz weich:
»Stetes Zusammenklingen mit dem Ganzen; alle Mondleute müssen zusammen ein Wesen bilden.«
Und ein Fünfter rief leise lachend:
»Die Welt muß in uns hinein – mit allem!«
Und so sagten alle sehr oft nur das, was sie für schrecklich wichtig hielten.
Die grüne Farbe des Leibes war den neugeborenen Mondleuten noch ganz unbekannt.
Aber das Gedächtnis des neuen Mondmannes ward sehr bald so reich und vollständig – wie das Gedächtnis des alten wenn dieser ganz weg war.
So wurde das Leben erhalten – in den heiligen Hallen der Wiedergeburt – tief unten in der Nähe des Mittelpunktes.
In die dunkelvioletten stillen Todesgrotten zogen die Mondleute müde hinein – und kamen verjüngt und lebensfrisch wieder raus.
Während Mafikâsu neben den Terrassen, die im Zickzack weiterführten, dahinschwebte und sich den Neugeborenen, die schon fortkonnten, zu nähern suchte – währenddem konnte man in den tiefergelegenen Partien der Todesgrotten ein leises Klopfen und Hämmern vernehmen – Mafikâsus Freunde suchten da unten eifrig Zugänge zu neuen Höhlen auf.
Verschiedene neue Höhlen, in die die Mondleute nur auf den Händen gehend hineingelangten – wobei sie irdischen Vögeln ähnelten, wenn die auf der Erdoberfläche gehen – verschiedene neue Höhlen waren schon weiterab in anderen Regionen entdeckt worden. Aber seit fünfzig Jahren hatten die Entdeckungen aufgehört – und wie oft sie auch da unten hämmerten und klopften – es klang an keiner Stelle hohl – es gelang nicht – auch unter den Todesgrotten kam man schlechterdings nicht weiter.
Und das machte die Mondleute da unten sehr traurig, denn danach ließ sich das große Fernrohr, das die Länge des Monddurchmessers erreichen sollte, nur nach kolossalen Bohrarbeiten durchbringen.
Und zu den Bohrarbeiten mußten alle Mondleute ohne Ausnahme hinzugezogen werden. Und das hielt sehr schwer.
Für die Bohrarbeiten ließen sich die beschaulich lebenden Mondleute nicht so leicht begeistern.


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