Die große Revolution

ps_082 Und unten im Krater gings durch und dann rechts und dann links.
Und ein großes Grottenreich tat sich vor den vieren auf. Und da flogen sie hinein.
Den Felsenwänden entströmte ein veilchenblaues Licht, das auch die Mondleute veilchenblau machte.
Die Ballonbäuche wurden hier, wenn die Mondleute langsamer schweben wollten, lange nicht so weit aufgeblasen als auf der Oberfläche des Mondes, da die Luft in den Grotten dicker und schwerer ist.
In stillen blauen Nischen saßen andre Mondmänner auf seltsam geformten Alabastersäulen – und ruhten sich aus und dachten an die Erde und an die große unendliche Welt.
Und alles war sehr ruhig und – veilchenblau.
Und die vier schwebten hinaus und weiter durch eine langgestreckte schwarze Grotte, deren Wände stellenweise als ganz glatte Flächen spiegelten. Die vier konnten sich in den schwarzen Spiegeln deutlich sehen, da die Körper der Mondleute in dunkleren Räumen noch heftiger leuchten; wie ferne Gespenster zogen die Spiegelbilder rechts und links dahin.
Und aus den schwarzen Grotten gings in die hellen Bernsteingrotten, die mit dem Nebelkrater in Verbindung stehen.
Hier gings lebhafter zu.
Viele Mondleute sausten scharenweise aus dem großen Nebelkrater heraus – in die sehr tief gelegenen Bernsteingrotten hinunter – mit Glasplatten und Messinginstrumenten, Papierrollen und Beleuchtungsgeräten, mit Röhren und Schrauben, mit Chemikalien in flüssigem und festem Zustande, mit Kapseln und Schläuchen, Büchern und Handwerkszeug; verschiedene von diesen Sachen wurden immer zusammen von mehreren Leuten auf flachen Schalen aus Gummihäuten getragen.
Andre Mondleute schwebten wieder scharenweise mit Aluminium-Fässern, Eisendrähten und Kupferstangen nach oben dem breiten Kraterloche zu, in das die Schlußapparate des kolossalen Fernrohrs wie mit langen Fühlhörnern sich hinunterreckten.
»Mafikâsu! Mafikâsu!« ertönte es da von allen Seiten. Und der so Begrüßte wurde nun von vielen angesprochen, so daß er und seine drei Begleiter langsamer schweben mußten.
Und im Fluge hörte der Führer der Weltfreunde ein paar Dutzend Neuigkeiten.
»Du hast recht«, rief ein sehr korpulenter Mondmann dem Mafikâsu zu, »Deine Gedanken sind stets ganz außerordentlich praktisch. Wir sind Deinem Rate gefolgt und haben die Aufnahmebedingungen an unserm Rohr erleichtert und infolgedessen zweihundert Mann auf unsre Seite gezogen. Zweihundert Weltfreunde gibts jetzt wieder mehr.«
Der Korpulente sauste so schnell wie ein Stück Gold mit schlappem Bauch in die Tiefe.
»Wird hier«, fragte Nadûke, »die Erde gar nicht mehr beobachtet?«
»Längst nicht mehr!« erwiderte der Pflastermann, »man merkt, daß Nadûke müde geworden ist; den Nebelkrater hätte so leicht keiner vergessen.«
Und Klambatsch sagte lächelnd:
»So hat mein Gedächtnis noch nicht gelitten. Und ich sehne mich doch auch nach dem Tode. Nadûke weiß nicht mehr, daß im Nebelkrater nur noch Nebelflecke beobachtet werden. So was!«
Wie in einem Bienenkorbe wogte es in der Tiefe des Kraters auf und ab – und die Stimmen der geschäftigen Mondleute summten und brummten durcheinander; jeder hatte da seine bestimmten Obliegenheiten am Rohre – wie in den Salpeterkörben die blauen Käfer, die auf dem Monde Bienen heißen und den Moossamen zerreißen.
Ein Teil der Mondleute war an den photographischen Apparaten tätig- ein andrer sorgte dafür, daß sich die Bewegung des Rohres stets in der gewünschten Weise vollzogeinzelne saßen abseits und rechneten – sehr viele hatten nur die verschiedenen Putzapparate zu beobachten und zu regulieren – und die komplizierte Beleuchtung nahm ebenfalls viele Hände und Köpfe in Anspruch.
»Jetzt«, sagte Nadûke, der sich aufmerksam das ganze Treiben am Rohre angesehen hatte, »erinnere ich mich, und ich möchte nur wissen, ob hier auch noch das Farben- und Wärme-Spektrum untersucht wird.«
»Das ist aufgegeben!« erwiderte der Pflastermann.
Und die vier flogen schneller.
Der Pflastermann fuhr leise fort:

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