Die Entwicklung des Luftmilitarismus

13. Dynamitkrieg und Revolution.

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Der Oberst S. A. Cody schreibt: »Es liegt etwas unbeschreiblich Seltsames und zugleich Belustigendes in der Wahrneh­mung, wie die auf der Erde Wandelnden völlig unvermögend sind, etwas gegen die schweben­den Riesenvögel zu unternehmen, die über ihren Häuptern ihre Kreise ziehen. Man muss einmal die Erregung durchgemacht haben, eine mit Mannschaften besetzte Flugmaschine über sei­nem Haupt hinziehen zu sehen, um innerlich zu fühlen, wie gross die Macht des die Luft beherr­schenden Fliegers ist. Er hält Leben und Tod in seiner Hand, und die unter ihm sind ganz und gar in seine Gewalt gegeben. Diese Vorstellung legt auch den Gedanken nahe, was der Flugapparat einmal den Anarchi­sten, Nihilisten und anderen Menschen dieser Art bedeuten kann. Die Luchsaugen der Polizei mögen unaufhörlich auf das Treiben dieser Gruppen gerichtet sein, wer aber will sie über­wachen, wenn sie ihre tötlichen Geschosse aus den Höhen schleudern, die bald mit Flugma­schinen erreichbar sein werden?« Diese Zeilen beleuchten das Verhältnis des Dynamitkrieges zur Revolution in vollkommener Weise. Ich finde nur nichts Belustigendes darin -ganz im Gegenteil! Diese vollständige Wertlo­sigkeit frechen Kulturvernichtern gegenüber er­scheint mir das Entsetzlichste in der ganzen Menschheitsgeschichte zu sein. Ich erkläre feier­lich, dass mir durch die Erkenntnis dieser unge­heuerlichen Möglichkeiten tatsächlich der Hu­mor vergangen ist. Ich verstehe es einfach nicht, wie man dabei noch etwas Belustigendes finden kann – diese Ohnmacht des Menschen Verbre­chern gegenüber ist beschämend und entsetzlich zugleich. Alles – was der Mensch geschaffen hat, kann von Menschenhänden kurz und klein ge­schlagen werden – in ein paar Sekunden. Diese Erkenntnis kann uns schwermütig machen. Das ist die böse Kehrseite der glänzenden Erfindung, die man »Eroberung der Luft« genannt hat.

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