Die Entwicklung des Luftmilitarismus

12. Die Luftflotten im Kampfe gegen einander.

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Man hört und liest öfters, dass man sich über die weitere Entwicklung des Luftmilitarismus heute noch keine klaren Vorstellungen machen kann. Jawohl – wenn man zu faul ist, darüber nachzu­denken, so wird Einem alles sehr unklar bleiben. Man kann aber darüber nachdenken, und dann kommt man rasch zu Resultaten. Lächerlich wäre es, wenn mehrere Luftschiffe neben- oder hintereinander ins feindliche Land hineinfahren wollten. Nein – sie müssen einzeln von al­len Seiten kommen – umgeben von vielen Gleit­fliegern, die die Gleitflieger des Feindes anzu­greifen haben oder deren Luftballons. Sodann besteht aber die ganze Zukunftskriegskunst nur im Dynamitauswerfen und im Absenden der lenkbaren Torpedos. Selbstverständlich ruiniert man zuerst die grossen Städte des Feindes. Bei derartiger Kriegführung kann natürlich der kleinste Staat auch dem allergrössten sehr gefährlich werden. Fällt es den Serben mal ein, die Oesterreicher anzugreifen, so brauchen sie nur drei Lenkbare mit 300 Zentner Dynamit nach Wien schicken – dort werden die 300 Zent­ner nachts ausgeworfen – und Wien ist ein Trümmerhaufen; der Stephansturm wird nicht stehen bleiben. Das Allerschlimmste bei diesen Dyamitkrie-gen ist aber das Folgende: die Ballons werden ganz bestimmt nicht die Nationalfarben zeigen, die Uniformierung wird man unterlassen – und so wird man niemals schnell feststellen können, ob ein feindliches oder ein dem eigenen Staate gehöriges Luftvehikel ankommt. Signale wird ja jeder Staat verabreden -aber nachts und bei schlechtem Wetter sind sie nicht leicht bemerkbar zu machen. Und – es ist doch sehr leicht möglich, dass der Feind die Si­gnale kennen lernt. Hier geht vieles gegen das Völkerrecht. Aber – die Führer in einem Dyna­mitkriege, der doch das Brutalste in der ganzen Welt isf, sollten Rücksichten auf das Völkerrecht nehmen? Das wäre lächerlich. Die brutalen Na- turen pfeifen auf das Völkerrecht in allen Tonar­ten.

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