Der Tod der Barmekiden

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Die hellblauen Löwen legen sich malerisch vor den rothen Blutregen und blicken schweigend in den gelben Wüstensand.

Pix in der Mitte hat wieder die Stirn den Europäern zugekehrt und die Andern liegen quer – wie vorm Diamantenschneefall.

Auch die grossen rothen Blutstropfen sind durch die hellblauen Löwenkörper zu sehen, sodass diese fein von oben nach unten gestreift werden, als wenn rothe Meteore sie durchleuchten.

»Jetzt wollen wir noch einmal,« flüstert Pix, »freundlich auf Euch einreden. Wir haben ja nicht mehr was Neues zu sagen – aber wir wollen Euch die Hauptsachen noch einmal einschärfen. Wir wollen Euch ja bekehren – daher dürft Ihr’s uns nicht übel nehmen, wenn wir uns öfters wiederholen.«

Und die Löwen reden noch einmal – leise – ganz leise – im Flüstertone. Nur Plusa’s Stimme hört sich brummig an, wenn er was sagt. Doch auch das Brummige tönt gedämpft.

Knaff: Kurzum: führt den Harem ein! Eure Ehebruchsromane mit all dem Blut und all dem Schmutz müssen Euch doch schon langweilig geworden sein. Möge Raifu Euch den Geschmack an Euren ekelhaften Romanen endlich mal gründlich verleidet haben.

Olli: Der Harem löst sämmtliche Frauenfragen mit einem Schlage. Nach Einführung des Harems giebt’s keine alleinstehenden Frauen mehr, und die ›öffentliche‹ Frauenarbeit ist damit auch beseitigt.

Frimm: Ueber Eure Theater, Concertsäle und die anderen öffentlichen Lokale werdet Ihr Euch nach dem Gehörten wohl selber das Nöthige sagen können.

Plusa: Ihr krempelt ja ganz Europa um – die Geschichte ist nicht so leicht.

Frimm: Leicht ist Garnichts.

Knaff: Alle Kunst, die sich um den Ehebruch dreht, ist schlecht und werthlos.

Plusa: Die Europäer werden nach Hause gehen und zunächst wieder mit ihren Frauen und denen ihrer Freunde und Bekannten ganz unverfroren zusammenkommen, mit ihnen essen, trinken und tanzen und gänzlich vergessen, dass das eigentlich hetärische Einleitungsmanöver sind.

Pix: Vergesst nicht, dass wir im Grunde genommen sehr tugendhaft sind und eigentlich nur das Ueberhandnehmen des Hetärismus und der Prostitution bekämpfen.

Plusa: Wir wollen uns nämlich mit dem alten Raifu zusammen einen europäischen Tugendpreis holen – denn wir sind sehr ehrgeizig.

Pix: Raifu hat Euch zeigen wollen, welche Rohheit und welchen Jammer Frauenfreiheit und freie Liebe erzeugt.

Frimm: Da kann einem anständigen Menschen jede Art von Liebe verleidet werden.

Plusa: Das wollte ja grade der kluge Raifu.

Knaff: Wozu ärgertest Du Dich denn über die Rohheiten, die uns Raifu vorführte?

Plusa: Weil diese Rohheiten so unerträglich waren.

Die rothen Tropfen, die so lange unaufhörlich herunterrieselten wie rother Schnee, bleiben auf ein Mal in der Luft stehen und fallen nicht mehr.

Die Körper der blauen Löwen sehen daher plötzlich gesprenkelt aus – gleich wie mit rothen runden Himmelssternen übersät.

Der Ton, in dem die Löwen reden, klingt jetzt noch gedämpfter als bisher. Das Geflüster ist jetzt so leise, dass die Europäer ihre Schallfänger noch weiter rausschrauben müssen.

Die rothen Blutstropfen – die Riesenthränen – stehen ganz unbeweglich in der Luft, sind aber von verschiedener Grösse.

Plusa will ein Nippchen Cognac trinken – die Reise ins rothe Meer ist ihm nicht gut bekommen.

Der Cognac wird dem Aermsten nicht vorenthalten.

Aber der Plusa kommt erst ganz allmählich wieder zu Kräften – auch Geister haben manchmal zu leiden.

Plusa: Das war Alles – Alles – Raifu’s Rache!! Ich habe leider am meisten darunter zu leiden.

Olli: Europäer, lacht über uns! Wir erlauben’s Euch! Aber denkt ein Nippchen über uns nach! Ihr werdet Euch eines Tages wundern, dass Ihr über uns mal gelacht habt und dann nie wieder über uns lachen – höchstens lächeln – glücklich lächeln – wenn Ihr der hellblauen Löwen gedenkt.

Frimm: Also immer kurz und zielbewusst! Entweder gleich das Weib in den Harem nehmen – oder links ab ins Hetärenheim! Wo’s das nicht giebt, macht Radau – so lange – bis es da ist! Also immer kurz und zielbewusst!

Plusa: Wie werden sich die grossen Männer, die gar keine Weiber brauchen, freuen, wenn sie wissen, dass das gemeine Volk von den Weibern schockweise geplagt wird.

Knaff: Nichtswürdiger! Ja – jede Sache hat auch unangenehme Begleiterscheinungen – die sind nun mal unzertrennlich von den ewigen Spässen des Weltalls. Der Spass ›Harem‹ hat natürlich auch manches Unbequeme. Nichts ist vollkommen. Aber – trotz Alledem – es lebe der Harem Europa’s!

Pix: Das absolute Glück haben wir leider noch nicht entdeckt – es ist nicht mal bei den Geistern zu Haus. Deswegen wollen wir aber nicht verzweifeln – das wäre zu dumm!

Olli: Jeder soll mit seinem bischen Glück vorsichtig umgehn, es sorgsam behüten.

Frimm: Man soll hauptsächlich nicht zu viel über sich selber nachdenken – das macht unglücklich.

Plusa: Macht manche Menschen sogar verrückt.

Knaff: Man sollte sich die grösste Mühe geben, glücklich zu werden – man sollte sich so recht ordentlich anstrengen.

Pix: Ja.. was.. sollte man nicht Alles!

Die rothen Tropfen steigen langsam in die Höhe und platzen oben – wie Seifenblasen.

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Die vierundzwanzigste Nummer beginnt:

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