Der Tod der Barmekiden

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Die Löwen haben eine riesige Wasserpfeife vor sich, von der fünf Schläuche in die fünf Löwenrachen hineinführen, aus denen natürlich unablässig mächtige Rauchwolken herausdampfen; die ganze Wüste riecht bald nach parfümirtem türkischem Tabak.

Das Rauchen hindert die edlen Löwen selbstverständlich nicht am Reden.

Pix: Da ich so viel Gemüth habe, muss ich bemerken, dass mir die Abbasah recht leid thut. Da sieht man wieder mal, dass die Freiheit eine recht bedenkliche Hinterparthie besitzt. Man soll sich eben nie durch die Vorderseite täuschen lassen. Ob’s eigentlich nicht besser wäre, wenn wir Löwen mal persönlich in Europa erscheinen würden? Ich fürchte, die Stellung der europäischen Frau kann nur von uns allein regulirt werden. Die europäischen Männer sind ein bischen zu gutmüthig – fast Waschlappen!

Frimm: Die Monogamie zwingt auch zu einem fortdauernden Zusammenleben mit einer Frau – und das schickt sich doch nicht für einen anständigen Mann. Die Männer, die die Athmosphäre eines Weibes nicht entbehren können, sind ja so ekelhaft wie verfaulte Krokodile.

Olli: Die Europäer werden sich wohl schon gewundert haben, dass wir hier so ungenirt und gratis unsre Löwenweisheit zum Besten geben. Wozu wären wir aber auf der Welt da, wenn es uns verboten wäre, weise Bemerkungen überall einzustreuen. Die Europäer sollten auch so scharfsinnig sein und einsehen, dass wir hier nicht gut zu entbehren sind, da ja in einem dummen Liebesroman zu weisen Bemerkungen zu wenig Platz ist.

Knaff: Räumt blos mit der weiblichen Bildung auf! Die hat der Kultur noch niemals was genutzt, da sie ja für die Weiber nur Mittel zum sexualen Zweck ist. Wo die Frau die Impertinenz besitzt, den Mann übertrumpfen zu wollen, da werden bald alle Weiber zu Hetären.

Plusa: Schimpft blos nicht so viel! Wer viel schimpft, wird nicht ernst genommen. Wir müssen uns ausserdem viel concentrirter ausdrücken, da wir bei dem energischen Fortschreiten der Handlung sehr bald nicht mehr zum ruhigen Reden kommen könnten.

Pix (sehr laut!): Ich frage den Herrn Raifu ganz ergebenste ob durch diese Pause wiederum anderthalb Jahre markirt werden sollen?

Raifu: Jawohl!

Frimm: Ich komme mir an diesem Orte zuweilen wie ein alter Tanzmeister vor, der den ältesten Schweinen der Welt anständige Bewegungen beibringen soll. Das Geschäft ist anstrengend. Ich habe vor Kurzem gehört, dass jüngere Leute in Europa mit einem hübschen Weibe sich öffentlich sehr viel zeigen, um mit diesem Weibe zu renommiren. Diese jüngeren Leute bemerken wohl garnicht, in welche Beleuchtung sie dadurch rücken. Hundsgemein ist diese Prostitution des Mannes. Das ist schon Cinädenthum in voller Form. Es ekelt mich an, weiter darüber zu reden. Die jüngeren Leute Europas sind von mir hierdurch zur Vorsicht gemahnt. Ich appellire an das männliche Anstandsgefühl.

Olli: Wer den Weibern den Willen lässt, ist ein Narr. Son Weib hat, wenn man ihm Freiheit lässt, immer Launen und ›Stimmungen‹. Die Weiber wollen ja eigentlich garnicht frei gelassen werden, sie wollen ja bezwungen werden – ihr sexualer Instinkt macht ihnen ja das willenlose Abhängigkeitsgefühl zum Bedürfnis. Der Harem ist ja im tiefsten Herzensgrunde der Weiber das tiefste Herzensideal der Weiber. Wenn Ihr so scharfsinnig wie ich wäret, hättet Ihr das längst eingesehen und danach gehandelt.

Knaff: In Europa weiss man nie, woran man bei den Frauen ist. Woran liegt das? Hauptsächlich daran, dass die Frauen zu viel Geld in die Finger bekommen. Es darf nicht vorkommen, dass eine Frau von ihrem Gelde lebt. Es giebt stets unangenehme schmutzige Geschichten, sobald eine Frau Geld besitzt – der Mann hat das Geld zu besitzen. Eine selbständige geldhabende Frau besitzt, wenn sie nicht verheiratet ist, nur Hetärenrecht.

Plusa: Jawohl! Es kommt im tiefsten Grunde nur darauf an, dass die Frauen genau so sind – wie’s die Männer haben wollen. Aber selbst der Prophet hat diese Frauen nur im Paradiese als Huris angetroffen. Also hat auch er die Weiber auf der Erde selten nach Wunsch gefunden – vielleicht nie! – vielleicht nie!

Pix: Lieber Bruder, Du willst wieder ungemüthlich werden und höhnen, siehst aber die erzieherische Seite des Harems nicht. Der Prophet ist doch der grösste Apostel des Haremismus. Der Harem vereinfacht und erleichtert das Weiberzähmungsgeschäft.

Frimm: Manche Männer, die gern den vornehmen Lebemann herausbeissen, thun auch so, als müssten sie die Weiber studiren. Ist das nicht zu lächerlich? Ich möchte blos wissen, was diese Männer an den Weibern studiren wollen – die ähnen sich doch so wie ein Ei dem andern.

Olli: Eure Reden stehen selten im unmittelbaren Zusammenhange. Und Knaff geht in seiner Heftigkeit regelmässig zu weit, was bei uns doch nur zuweilen zu tadeln sein dürfte. Ihr solltet öfters an die Bemerkungen des Vorredners anknüpfen. Das würde den Zusammenhang durchsichtiger machen. Die aphoristische Art verlangt zu viel Scharfsinn vom Publikum.

Knaff: Dwatsches Gerede! Wollen wir ja grade! Das Publikum soll doch zum Scharfsinn erzogen werden. Wenn uns das nicht gelingt, so sind unsre Reden so wie so vergeblich. Wir wollen überzeugen – nicht überreden. Das Publikum muss daher zum Mitdenken gezwungen werden, es muss sich selbständig vorkommen und sich zuweilen überlegen vorkommen. Du altes Dusselthier, Du willst blos, dass man Deine scharfsinnigen Glossen ganz besonders herausstreicht. Eitler Fant! Wenn man schimpft, hat man nicht die Ruhe, zierliche Uebergänge herzustellen und genau Alles abzuzirkeln.

Plusa: Jetzt schimpf‘ ich auch! Hört, Europäer! Der Mann, der zu seinem Weibe in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, wirdgewöhnlich blos deshalb nicht hochgeschätzt, weil er nicht die sexuale Kraft hat, das Weib zu bändigen. Wenigstens vermuthen die meisten Menschen bei Pantoffelhelden nur den Mangel an sexualer Kraft. Es beurtheilen also auch die Männer ihre Geschlechtsgenossen blos nach den Geschlechtsorganen – nicht wahr? Die Männer sind also nicht besser als die Weiber. Pfui Deiwel!

Die Löwen paffen solche Rauchmengen aus, dass der Pulverdampf einer europäischen Seeschlacht dagegen kaum den Qualm eines Kaminfeuers vorstellt.

In der Wasserpfeife knattert das Wasser wie Flintensalven.

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Die fünfzehnte Nummer beginnt:

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