Der Tod der Barmekiden

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Die Löwen fahren mit beneidenswerther Seelenruhe und Seelengrösse in ihrer Unterhaltung fort.

Pix: Eine begehrliche Frau wird nur von Hetärentrieben beherrscht. Man hüte sich vor solchen Frauen. Die Frau hat einen sehr rohen Sexualinstinkt. Verfeinerte Zuchtwahlabsichten kann nur der Mann haben. Den Frauen gefallen lockige Haare, grosse Augen, starke Muskeln – lauter Dinge, die für die Verfeinerung der Rasse noch Nichts besagen. Der Mann sieht aber auf Formen, Temperament und Charakter. Das ist doch wohl wichtiger.

Frimm: Das Weib ist garnicht im Stande, irgend eine feinere Zuchtwahl zu treffen. Wenn’s gebildet ist, wird’s einen ganz gewöhnlichen Dummkopf zum Manne begehren. Daran muss aber das gebildete Weib durch den Harem gehindert werden. Die Rasse kann nur durch die intelligenten Zuchtwahlarrangements intelligenter Männer veredelt werden. Die Frauen haben dabei wie stets nur eine passive Rolle zu spielen; die kommt ihnen eben zu. Ihr Widerstand gegen die männliche Brutalisirung darf ebenfalls nur ein passiver sein. Genügt der etwa nicht? Der Mann wird auch sehr kühl, wenn die Frau kühl bleibt. Er wird sie, wenn er die Rasse im Auge hat – und die Rasse ist bei jedem vernünftigen Manne allein massgebend – auch nicht übers Mass hinaus vergewaltigen; erzwingen lässt sich ja ein Nachkomme nicht. Schliesslich dürfte jeder Mann froh sein, wenn er von einer kühlen Widerspänstigen befreit ist.

Olli: Es ist auch so furchtbar närrisch, dass die meisten Europäer, wenn sie ein Weib lieben, so zart und taktvoll auf Gegenliebe warten – statt einfach zwingend und brutal aufzutreten, womit sie zehn Mal weiter kommen, dem Weibe viel besser gefallen und der Rasse viel mehr nützen – als mit Zartsinn und Takt, die bei allen möglichen Dingen – nur nicht bei Fortpflanzungsakten von Werth sind. Die meisten Frauen wissen Takt und Zartsinn garnicht zu schätzen, thun’s nur, wenn sie annehmen oder wissen, dass sie damit gefallen.

Knaff: Ihr redet thatsächlich mit Seelenruhe und Seelengrösse! Ich kann mich aber für Eure Gemüthlichkeit nicht sehr begeistern. So viel Zeit haben wir doch nicht.

Nach diesen Worten erschallt wieder mal des Riesen Raifu alter Basston – er sagt:

»Bis zur nächsten Nummer gehen anderthalb Jahre ins Land, darum wäre es nicht übel angebracht, wenn Ihr die lange Zeit durch Gemüthlichkeit markiren würdet. Knaff, sei nicht so hitzig!«

Das harmlose Geplauder wird also ruhig fortgesetzt.

Plusa: Ich möchte nur bezweifeln, dass die Männer des Orients ihren Weibern gegenüber viel häufiger die Oberhand behalten haben als die Männer des Occidents.

Pix: Ewig musst Du Dinge reden, die nicht hergehören. Du scheinst Dich über das Frauenbehandlungsthema nur lustig zu machen. Schäm Dich was. Bei diesem Thema lacht ein anständiger Mensch nicht.

Plusa: Ein blauer Löwe darf aber lachen.

Pix: So lach leise! Ich bemerke nur noch, dass die weiche Freundlichkeit nicht in allen Situationen ein Zeichen von Güte ist.

Frimm: Weiche Freundlichkeit ist nicht in allen Situationen ein Zeichen von Güte. Der Mann muss gegen die Frau sehr oft hart sein; er liebt sie nicht, wenn er’s niemals ist.

Olli: Erkrankungen des Gemüths infolge nicht befriedigter Zuchtwahldirektive können im Orient nur in sehr geringer Zahl vorkommen, da eine Neigung zu Frauen, die schon in andern Händen sind, des Harems wegen ja garnicht denkbar ist. So ist die unglückliche Liebe im Orient beinah zur Utopie geworden. Man kann sich doch erst dann in ein Weib verlieben, wenn man’s gesehen hat. Die Eltern sind nun so scharfsinnig, dass sie ihre Töchter nur den Männern zeigen, die im Stande sind, ohne Weiteres zu heiraten. Die unglückliche Liebe wird nach Einführung des Harems auch in Europa zum Ammenmärchen werden.

Plusa: Der Orient als Gesellschafts-Ideal macht mir Spass. Es lebe der Haremsroman!

Knaff: Schrei nicht so!

Plusa: Ihr bedenkt aber garnicht, dass auch die Frauen infolge nicht befriedigter Zuchtwahldirektive erkranken können.

Frimm: Bei Frauen ist die unglückliche Liebe nur ein verkappter Wunsch nach hetärischer Freiheit.

Plusa: Werdet blos nicht zu einfach. Eure Moral kommt obendrein nur in den Sphären, die sich einer leidlichen Wohlhabenheit erfreuen, in Betracht. Wenn das Weib mitarbeiten muss, kann’s nicht mehr in Harem und Bordell eingesperrt werden. Das leuchtet doch wohl meinen leuchtenden Brüdern ein, nicht wahr?

Pix: Die armen Frauen, die ihr Brot selbst verdienen müssen, thun mir in der Seele leid. Das arbeitende Weib ist das Sinnbild der europäischen Armuth. Wo das Weib arbeitet, herrscht die Rohheit. Das weibliche Arbeiten ist was Unsittliches, da der Verdienst doch blos in die Hände von Männern geht, die uns nicht grade imponieren können. Die Arbeit des Weibes verschlechtert ausserdem noch die Rasse, ist auch niemals ordentliche Arbeit. Der Orient muss den Europäern stets zum Muster dienen.

Knaff: Es ist sehr unsittlich, dass die Frauen Europas Geld in ihren Fingern haben – ein höchst gefährliches Gut! Der Teufel hole die ganze Frauenarbeit, an der klebt kein Segen. Führt den Harem ein, und Ihr habe keine alleinstehenden Frauen mehr. Die Abschaffung der europäischen Emancipation, die nur verkappter Hetärismus ist, liegt auch im Interesse der Frauenwelt.

Olli: Lassen wir das Thema fallen, denn die Europäer lächeln so verschmitzt, als wenn sie mehr von der Sache verständen wie wir. Die Europäer meinen wohl zuweilen, wir machen blos Spass. Irrt Euch nicht! Wir sind ernster als alle Priester der Welt.

Die Europäer lutschen an ihren Apfelsinen und wagen kaum, aufzublicken. Die Löwen reden weiter.

Frimm: Durch den Harem würde auch der dumme Luxus vernichtet werden. Die kindliche Nachahmungssucht der Frauen hat, da sie eine selbständige Wahlfähigkeit nicht aufkommen lässt, dem Kulturfortschritt zu allen Zeiten geschadet. Die Frau muss aus dem ganzen öffentlichen Leben raus und darf auch am Herde des Mannes keine Freiheit haben – die verführt sie ja blos zum Treubruch.

Plusa: Dass der Harem den dummen Luxus vernichtet, bemerken wir schon an der Zobaïda. Ja, Europäer, die Löwen reden sehr sachlich; Raifu illustrirt eigentlich nur unsre Reden. Er ist unsertwegen da – nicht umgekehrt ist das Verhältnis.

Knaff: Mein lieber Plusa, Dir hat wohl wieder lange nicht die Nase geblutet. Du willst augenscheinlich die Rolle des kritischen Rindviehs spielen.

Frimm: Die Frau hat keinesfalls ein Recht, die gleichberechtigte Lebensgefährtin des Mannes zu werden.

Raifu ruft jetzt laut:

»Die anderthalb Jahre sind um.«

Die Drachen und Paviane ziehen sich heulend zurück.

ps_015

Die vierzehnte Nummer beginnt:

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