Der Kaiser von Utopia

80. Das Gebet

ps_019 Wie Alle draußen waren, wollte Philander allein aufstehen, und dabei fiel er lang auf dem Teppich hin und blieb liegen.
Da faltete er die Hände zusammen und sprach leise und schnell:
»Erhabener Geist, der Du uns Alle führst und dem wir keinen Namen geben wollen, erhöre mich – vernichte nicht mein irdisches Leben. Ich will leben – leben – wie eine Welt lebt – so will ich leben – nicht blos will ich ein einfaches menschliches Genußleben leben. Vergib mir, daß ich doch so oft ihm nicht widerstanden habe. Aber – es soll anders werden. Erhöre mich noch ein einziges Mal. Ich werde kämpfen um das große Leben und meinem Volke das große Leben begreiflich machen. Ich werde mich bessern. Ich werde stark werden. Vergib mir meine Schwäche. Laß mich nicht versinken. Rette mich. Ich will meine Sehnen anspannen. Ich will mir Schmerz machen, daß ich nicht versinke.«
Und mit gewaltiger Anstrengung kroch er nun auf Allen Vieren zum nächsten Tisch, auf dem Instrumente lagen, und mit einer spitzen Nadelbürste stach er sich in den Arm, daß es blutete.
Da schrak er aber zusammen – der Blutverlust konnte gefährlich werden – er klingelte.
Und die Ärzte kamen und verbanden den kranken Philander, sodaß der Arm nicht mehr blutete.
Dann aber ließ sich der Kranke ein hartes Holzlager machen und lag nun ganz still.

 


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