Der Kaiser von Utopia

70. Der kranke Moritz

ps_062 Der Kaiser Moritz lachte laut auf, als er bemerkte, daß seine Haut die berühmten blauen grünen und roten Flecken zeigte.
»Endlich!« sagte er.
Und er tanzte im Zimmer herum und schrie, immer wieder: »Ich habs! Ich habs!«
Und dann brach er in einer Ecke zusammen und ließ sich forttragen – dabei lachte er wieder – aber so harmlos, wie Kinder zu lachen pflegen.
Als er ins Bett gebracht war, forderte er Feder und Tinte und wollte schreiben, doch ihm sank die Feder aus der Hand, und er glaubte plötzlich, daß viele Riesen neben ihm säßen und er murmelte:
»Liebe Riesen, wachsen Euch immer noch Köpfe aus den Armen und aus den Fingern? Verzeiht, daß ich Euch so quäle – aber Ihr braucht wirklich mehr Köpfe als Ihr habt – mit dem einen könnt Ihr das nicht alles zusammendenken, was wir zusammendenken müssen, wenn wir uns das Leben erträglich gestalten wollen. Wir müssen Alle immerzu unsern Witz zusammennehmen, um uns zu beweisen, daß unser Dasein wirklich ein herrliches ist. Wenn wir blos einen Kopf haben, fällt uns das sehr schwer – denn mit einem Kopf können wir nicht so viel Witz erzeugen. Ihr fragt mich, warum wir uns so anstrengen, da wir doch sterben können? Ja – hm – wir strengen uns eben so sehr an, um wenigstens mit Wonne sterben zu können, da es uns ja doch nicht gelingt, mit Wonne zu leben.«
Er sank müde in die Kissen zurück und schlief ein.

 


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