Der Kaiser von Utopia

63. Die Todessehnsucht in ganz Utopia

ps_065 Mit Blitzesschnelle hatte sich nun das, was sich in Schilda mit dem toten Körper des Herrn von Moellerkuchen zugetragen hatte, in ganz Utopia verbreitet.
Und die alten Leute sagten:
»Sollen wir denn täglich etwas Unerwartetes vernehmen? Wir kommen ja ganz aus der Fassung. Jetzt könnte man bald glauben, daß die Toten auferstehen.«
Und es ward Allen unheimlich zu Mute.
Gleichzeitig hatten aber die Gesunden die merkwürdige Neigung, auch krank zu werden.
Nachts gingen viele Utopianer in die Leichenhallen und berührten die gräßlichen astartigen Bildungen, die bis zu Meterhöhe aus den toten Körpern herauswuchsen und bunt leuchteten, als wäre ein anderes neues Leben darin. Die Utopianer wollten bald alle die bunte Krankheit haben – aber glücklicher Weise übertrug sie sich nicht so einfach wie andre pestartige Erkrankungen; es wurden grade nur die krank, die am wenigsten daran gedacht hatten.
Doch die Todessehnsucht packte so viele Utopianer, daß viele Selbstmorde vorkamen.
Da wetterte der Herr Bartmann in allen Städten des Reiches gegen das Sterbenwollen so heftig, daß der Staatsrat in Ulaleipu beschloß, Herrn Bartmann zu einer größeren Tätigkeit aufzufordern.

 


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