Der Kaiser von Utopia

53. Der zornige Bartmann

ps_054 Mit dem leeren Namen und dem fruchtlosen Ruhme war aber der Herr Bartmann keineswegs zufrieden; er wetterte gegen die Volksangst in einer sehr wilden und heftigen Form.
»Zeichen vom Himmel«, schrieb er, »flammen auf, um die faulen Utopianer endlich aus ihrer Ruhe herauszutreiben – und da packt den Utopianer die Angst? Auf den Knieen sollte er dem Geiste, der uns führt, danken, daß er uns ganz augenfällig die unerschöpfliche Lebensfülle der Welt offenbart. Sieht der Utopianer nicht, daß der Himmel und das Meer eine gewaltige Sprache zur Verfügung haben? Und sieht der Utopianer nicht, daß Himmel und Meer zu uns, den Utopianern, sprechen? Ist es da an der Zeit, wie Kinder ängstlich zu werden? Wahrlich – alle Bequemlichkeitseinrichtungen und alle Gerechtigkeitseinrichtungen sind viel zu schade für den Utopianer – der sollte wieder von Not und Unterdrückung gepiesackt werden, damit seine Lebensgeister wieder aufflammen können – wie die Irrlichter im Meeressumpf. Der Kaiser von Utopia sollte zum Tyrannen werden – und Waffen sollten wieder getragen werden – wie einst vor Jahrtausenden im barbarischen Zeitalter. Damals wars besser um uns bestellt – es war durch Hunger, Krankheit und Ungerechtigkeit dafür gesorgt, daß der Mensch nicht schlaff wurde. Unsre guten und angenehmen Zeiten sind zu früh gekommen. Utopia steckt noch in den Kinderschuhen und sollte mit harter Rute erzogen werden. Ist es etwa nicht das Zeichen eines kindischen Gemütes – wenn man Angst hat – vor der großen Natur? Und wenn die Irrlichter strafende Geister sind – weswegen können sie strafen? Doch nur unsrer Faulheit wegen können wir gestraft werden, damit wir ein gewaltigeres Leben führen – ein Leben, wie es einem reifen Volke geziemt. Auspeitschen sollte man den erwachsenen Leuten die alberne Kinderangst . . .«
In dem Tone gings immer weiter – und auch mündlich überall – Bartmann war zornig – und viele Utopianer gaben ihm Recht – seine Worte schlugen ein wie Blitze.

 


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