Der Kaiser von Utopia

13. Der Abschied

ps_325 »Jetzt schnell fort – nach Schilda!« sagte der Kaiser und ließ seine Sachen packen und den Hofzug vorfahren.
Nun war aber des Morgens ein Lufttechniker Namens Sebastian gemeldet worden – den wollte der Kaiser noch vor seiner Abreise sprechen.
Herr Sebastian kam, und der Kaiser sah, daß der Lufttechniker ihm außerordentlich ähnlich sah, und das brachte ihn auf eine Idee, die er aber noch nicht aussprach, er erkundigte sich vielmehr ganz harmlos nach den gesellschaftlichen Beziehungen des Herrn Sebastian, und dieser Herr erklärte, daß er bislang nur seinen Arbeiten gelebt und jeden gesellschaftlichen Umgang peinlich gemieden habe.
Das gefiel nun dem Kaiser außerordentlich, und er bat den Flugtechniker, mit seiner Luftmaschine nach Schilda zu fahren und dort im goldenen Löwen abzusteigen.
Herr Sebastian erklärte sich selbstverständlich gerne bereit, nach Schilda zu fahren, wollte sich verabschieden, aber der Kaiser hielt ihn noch zurück und sagte:
»Lieber Herr Sebastian, könnten Sie aber vielleicht ganz unauffällig nach Schilda kommen? Könnten Sie nicht Ihr Fahrzeug drei Meilen vor Schilda verlassen und mit einem einfachen Bahnzuge nach Schilda kommen und dort unauffällig auf weitere Nachrichten von mir warten?«
Herr Sebastian erklärte sich auch dazu gerne bereit und wurde verabschiedet, und der Kaiser empfing noch einmal seinen Staatsrat und sagte zu ihm leise:
»Meine Herren, ich danke Ihnen und bitte Sie, vorläufig Stillschweigen über meine Reise und meine Absichten zu beobachten; ich werde schon Alles so hübsch einfädeln, daß Sie zufrieden sein sollen.«
Die Herren vom Staatsrat machten ein sauersüßes Gesicht, aus dem man Alles herauslesen konnte – nur nicht eine bestimmte Meinung; die Herren wußten eben selber noch nicht, was sie zu diesem ganzen Abenteuer sagen sollten.
Der Kaiser drückte allen Herren zum Abschiede die Hand und ging dann zu seiner Gemahlin, die ihn mit feuchten Augen empfing.
»Du willst fort?« sagte sie zitternd.
»Ja«, sagte er, »ich muß.«
Sie erwiderte leise:
»Meine Gedanken werden bei Dir sein.«
Und sie küßte seine rechte Hand, und der Kaiser küßte die Stirn seiner Gemahlin und sagte still:
»Bleibe fest! Es zieht mich zu neuen Pfaden. Ich will das Leben erkennen – so wie es ist. Ich will – vergiß das nicht! – eigentlich hinter das Leben kommen. Jeder Baum und jeder Fels soll mir was Großes sagen – darum will ich fort. Du wirst von mir hören.«
Und Philander küßte seiner Frau die beiden Hände und ging dann rasch hinaus und fuhr mit seinem Hofzuge nach Schilda – durch viele Tunnel – über Berge und Schluchten – über breite Flüsse und über weite Felder – durch die Frühlingslandschaft.

 


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