Das Perpetuum Mobile

Der Millionenonkel

ps_285  Man sagt mir immer wieder, daß mein ganzes System an der »Befestigung« schei­tert; wenn ich g nach Figur 10 nicht an einen Wagen zu »befestigen«, hätte, so würde alles gehen.

Ich glaube aber an die Richtigkeit dieser Ansicht keineswegs. Es verhält sich wahrscheinlich Alles ganz anders. Die Räder in Figur 10 schoben perpetuierlich – also müssen sie auch einen Wagen schieben können. Ich werde schon dahinter­kommen.

Jedenfalls wäre ich Millionenonkel, wenns geht.

Zwanzig Staaten können dem Erfinder wohl durchschnittlich dreißig Millionen jährlich verabfolgen – mindestens für die üblichen fünfzehn Jahre. Zwanzigmal dreißig Millionen macht sechshundert Mil­lionen – das wäre die Summe für die staat­lichen Institute der Erde, besonders für die staatlichen Eisenbahn- und Dampferver­bindungen.

Etwas mehr – ungefähr achthundert Mil­lionen könnten die gesamten Privatinsti­tute der Erde dem Erfinder verabfolgen.

Das würde demnach ein Einkommen von vierzehnhundert Millionen für den Erfinder »darstellen.«

Eine hübsche Summe!

Wenn man bedenkt, daß der Kaiser von Russland nur sechsunddreißig Millionen jährlich zu »verzehren« hat, so kann man sich leicht vorstellen, was ich eigentlich zu bedeuten hätte – wenn’s geht.

Ich müßte wohl Ober-Millionenonkel genannt werden.

Es gäbe zweifellos eine hübsche Utopie, wenn man sich das Leben eines derartigen Oberpotentaten ausmalen würde; ich aber werde diese Utopie nichtschreiben – denn ich sehe auch hier abermals wieder nur die Schattenseiten; Geldverteiler würde ich sein – weiter nichts. Und ich wüßte eigentlich nicht, warum ich eine derartige Zahlmanns-Rolle als besonders beglük-kend zu betrachten hätte; außerdem – es paßt mir einfach nicht.

Die Genüsse, die ich mir für vierzehn­hundert Millionen jährlich kaufen könnte, sehen doch etwas mager aus. Diese Unsummen »binden« mich ja an die Andern. Und ich bin nicht gerne ange­bunden.

Und die Genüsse kommen mir allesamt etwas kindlich vor. Die Genußfreudigkeit kennzeichnet ohne Frage den Dilettanten – der muß immer genießen – weil er ja zum Schaffen (was ein wenig mehr ist als Genießen) beim besten Willen nicht kommt.

Allerdings ich könnte viele Sternwarten, Obertheater, Oberverlagsanstalten und Oberzeitungen und Oberarchitekturaus­stellungen, nebst anderen Oberinstituten gründen und fördern und pflegen.

Aber – dann könnte ich nicht mehr eine Zeile schreiben – gar nichts Eigenes mehr machen – ich hätte nur täglich sechzehn Stunden hindurch die Vorträge meiner Ratgeber anzuhören – und wäre sicherlich bald so weit, daß ich nicht mehr blau von rot unterscheiden könnte.

Man würde mich in der nichtswürdig­sten Art umbringen.

Und alle die, die von mir durch diese bequem fließenden Geldmassen »geför­dert« würden – wären sicherlich auch bald »abgetan« – denn »Genießen« strengt an.

Amen!

Man könnte allerdings entzückende Spaße arrangieren – so dachte ich schon daran, meiner Frau die Führung von Zen­tralküchen anzuvertrauen, in denen alles gratis verabfolgt wird – jedoch nur an die »Eingeborenen«. Im Grunewald bei Berlin würde dann eine solche Zentralküche nicht viel zu tun haben – und in Monaco auch nicht.

Das sind Spaße – freilich!
Warum sie in plumper Wirklichkeit ausgeführt werden sollen, sehe ich beim besten Willen nicht ein.

ps_029

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