Das graue Tuch und zehn Prozent Weiß

ps_061 Mr. Krug auf Ceylon ahnte natürlich von alledem gar nichts. Er wurde auch nicht benachrichtigt.
Der Architekt sprach mit den ernsten Männern der Wissenschaft und dachte gar nicht mehr an Japan und bunte Seide – auch nicht an graues Tuch.
Dagegen wurden die Hallen für die Luftvehikel immer großartiger. Das Gebirge auf der Insel Ceylon wurde gleichsam mit Brillanten übersät. Man verwandte hier auch viele Spiegel, um die Effekte zu vervielfältigen.
Edgar telegraphierte an seine Frau:
»Ceylon wird großartig. Diese Zentrale für Luftforscher ist wohl das Größte, was die Glasarchitektur bislang geleistet hat. Es ist ein Vergnügen, zu leben, wenn die Bauherren etwas Geld übrig haben. Vorläufig bleibe nur im Tierpark, bis Löwe und Miß Amanda da sind. Dein Edgar.«
Nun gab’s für Edgar leider viele technische Schwierigkeiten zu überwinden; die Ingenieure wurden immer wichtiger; sie waren bei den großen Hallenanlagen ganz unentbehrlich.
Und der Architekt mußte sich jetzt den Ingenieuren anfügen. Das fiel ihm oft sehr schwer. Doch die Praktiker behielten immer Recht. Und der phantastische Architekt mußte seine große Baulust oft zügeln; viele Brückenanlagen und Bogenversteifungen ließen sich nicht gleich so einfach durchsetzen. Die Tragfähigkeit der Eisengerüste blieb immer problematisch. Und wo die Ingenieure nicht mitmachen wollten, da mußte der Architekt einfach nachgeben. Mr. Webster fuhr inzwischen auf einem Motorschiff durchs rote Meer über Neapel nach London.

Und Mr. Löwe kam mit Miß Amanda zum Tierpark.
Und Miß Clara empfing sie mit einer Musik von zwanzig Glastürmen.
Miß Amanda lachte, als sie ihre Freundin in bunter Seide sah. Man fragte nach Mr. Krug und wunderte sich sehr, daß er in Ceylon zu tun hatte.
Die Japanerinnen hatten alle die kinematographische Vorstellung von der Hochzeit des berühmten Architekten gesehen und die Geschichte vom grauen Tuch allmählich begriffen.
Indessen, die Japanerinnen verwünschten den Architekten.
Da kam dem Mr. Löwe die Geschichte ungemütlich vor. Und er beschloß, seinen Freund persönlich zu sprechen – und sofort nach Ceylon zu fahren. Er telegraphierte an Edgar:
»Lieber Edgar! Ich möchte Dich so bald wie möglich persönlich sprechen. Denn die Sache ist viel zu verwickelt, um in Telegrammen ordentlich erörtert zu werden. Das geht gar nicht. Hier kommt sehr viel auf die momentane Stimmung an. Ich bitte Dich: gib Nachricht, ob Du mich sofort in Ceylon empfangen kannst. Dein alter Freund Walter Löwe.«
Dieses Telegramm wurde von Edgar sofort folgendermaßen beantwortet:
»Ich bin hier bei der Berechnung von Hyperbel- und Parabelkurven. Ganz bis über die Ohren mit schwierigen mathematischen und physikalischen Problemen beschäftigt. Da mußt Du noch warten. Komm unter keinen Umständen, denn ich habe nicht einen Moment Zeit. Ich melde mich, wenn ich wieder etwas freier aufatme. Grüße Miß Amanda und meine Frau. Grüße das Ehepaar Burns und Dich selbst. Ich bin Dein vielgeplagter Edgar.«

Im Tierpark wurden währenddem alle Dacharrangements auf den Grenzmauerbauten fertig.
Und man beschloß, nun endlich das große Luft- und Lichtfest zu feiern. Der Architekt wurde natürlich feierlichst dazu eingeladen.
Edgar Krug jedoch sagte telegraphisch:
»Bitte alles ohne mich zu machen. Ich habe hier so viel Kämpfe mit den Ingenieuren auszufechten, daß ich vorläufig für längere Zeit überhaupt nicht zu sprechen bin. Krug.«
Diese schroffe Ablehnung der Einladung wurde von den Architekten und Ingenieuren des Tierparks mit Gleichmut aufgenommen. Man kannte die schroffe Art des Herrn Edgar Krug und wußte sich mit ihr abzufinden.
Und so kam denn das Luft- und Lichtfest ohne Mr. Krug zustande.
Miß Clara spielte auf vierzig Türmen zu gleicher Zeit. Die neue Orgel lockte alle Badegäste von Borneo fort in den Tierpark hinein.
Dazu schwebten unzählige Luftschiffe und Aeroplane über dem ganzen Terrain.
Die Lichtspiele der Scheinwerfer wirkten von unten gesehen – einfach berauschend.
Und von oben sah man unten die farbigen Lichtstraßen auf den Grenzmauern.
Das Fest wurde acht Nächte hintereinander gefeiert.
Und die Geschichte machte einen großen Eindruck auf der ganzen Erdoberfläche.

Mr. Krug aber wurde auf Ceylon immer verdrossener; die kleinen Hallen waren zum Teile fertig und lagen wie funkelnde Schildkröten und umgestülpte Helme da, doch wo mehr im Großen was entstehen sollte, da war die Last der Glasmassen immer wieder zu schwer. Durch Säulen durfte die freie Einfahrt der Aeroplane nicht behindert werden, und so stand viel Eisengerippe da, und die Glasumkleidung ließ sich nicht anbringen.
An Stelle des Glases wollten die Ingenieure leichteres Material – man schlug Drahtnetze mit einer farbigen durchsichtigen Leimmasse überzogen vor. Die war dem Mr. Krug, obschon sie sich immer wieder leicht ausbessern ließ, doch nicht haltbar genug.
Außerdem sollten Wohnungen in die Wände der Hallen kommen. Da mußte man schließlich auf die schief ansteigende Parabel- und Ellipsenform verzichten. Und das wollte der Architekt immer wieder nicht haben. Die Bauherren ließen sich wieder von den Wohnungen in den Wänden nicht abbringen, da von dort aus die Aussicht in die prächtig bunte Halle herrlich sein mußte.
Mr. Krug sagte zornig zu seiner Umgebung:
»Hieraus, meine Herren, erkennen Sie wieder einmal, daß mit Geld allein nichts auszurichten ist. Eine Portion Genialität ist immer wichtiger, doch manchmal ist diese nicht vorhanden, wenn das Geld in Strömen fließt. Darum bin ich der Meinung, daß das Geld dem Fluß der Genialität sehr hinderlich ist. In jedem Falle kann man auch in der Architektur immer wieder erfahren, daß man auch hier immer noch mal aus einer Sackgasse in die andre fährt. Am liebsten führe man zur Hölle. Oh – ja!«
Solch ein Verzweiflungsausbruch löste natürlich sehr gemischte Empfindungen in den Zuhörern aus, die ihren Mr. Krug bald fortwünschten, da sein Eigensinn oft störend wirkte, zumal Manches bei mehr Nachgiebigkeit ganz leicht löslich erschien.
Ein großes Glückwunschtelegramm aus dem Tierpark riß den Architekten etwas aus der Situation. Das Telegramm lautete zum Schluß:
»Das Lichtfest ist aber in erster Linie durch das Spiel auf der Vierzigturmorgel zustande gekommen. Hätte dieses Spiel von Ihrer verehrten Frau Gemahlin nicht so wundervoll oben in den Lüften geklungen, das Lichtfest wäre nicht zu einem Weltereignis geworden. Wir sagen unserem Meister für dieses Fest unsern Dank. Und ebenso danken wir seiner verehrten Frau Gemahlin.
Die Architekten und Ingenieure des Tierparks Nordindien.«
Das erheiterte den Mr. Edgar.
Er telegraphierte gleich seiner Gattin:
»Gratuliere Dir! Dein Vierzigturmorgelspiel ist also Weltereignis geworden? Ich trinke auf Dein Wohl ein paar Flaschen Champagner und lasse heute alle Kegelschnitte – alle Ellipsen, Parabeln und Hyperbeln – am äußersten Weltenrande liegen. Jedenfalls bin ich sehr froh, daß Du jetzt auch das vermaledeite Berühmtsein kennen lernst. Leidensgenossen nähern sich leichter. Hoffentlich sagst Du auch bald: Ruhm ist unbequem. Dann können wir uns trösten. Grüße Alle und sei selbst viel tausendmal gegrüßt von Deinem Edgar.«

Edgars Telegramm wirkte auf Frau Clara ganz merkwürdig.
Die Japanerinnen waren grade abgefahren. Und der Festtrubel verstummte allmählich. Mr. Löwe und Miß Amanda durchstreiften den Tierpark von einem Ende zum andern. Miß Clara jedoch packte all ihr Seidenzeug zusammen und sandte es in vielen festen Kisten zur Isola grande im Lago Maggiore, wo sich ja ihre Heimat auftun sollte.
Und danach erschien die Orgelspielerin wieder in Grau mit zehn Prozent Weiß.
Miß Amanda riß die Augen weit auf, doch sie sagte nichts.
Mr. Stephan fuhr mit seinen Films nach Europa, nachdem er von Mr. Löwe eine wörtliche Erklärung erhalten hatte, daß dieser dafür sorgen würde, daß die Geschichte mit den zehn Prozent Weiß nicht in die Öffentlichkeit käme.
Mr. Löwe telegraphierte an Edgar:
»Wie geht’s Dir denn? Bist Du bald zu sprechen? Ich bin doch eigentlich nur Deinetwegen hierher gekommen. Das vergiß doch gütigst nicht. Eine Reise nach Indien ist doch keine Lappalie. Walter Löwe.«
Er erhielt keine Antwort.

Mr. Edgar Krug erhielt Besuch auf Ceylon; ein alter Studienfreund Mr. Werner kam an und wollte zum Aralsee, der hoch im Norden östlich vom kaspischen See liegt. Mr. Webster sah bald, wie sehr Edgar auf Ceylon zu leiden hatte – und er überredete den Architekten, doch hier alles seinen Leuten zu überlassen – und mit zum Aralsee zu fahren.
Und Edgar ließ sich überreden.
Auf dem Aralsee gab’s eine Versuchsstation für See-Architektur.
Dort lebten immer über hundert Fachgenossen zusammen. Und Edgar mußte dort nach Mr. Werners Berichten ganz glänzend aufgenommen werden, da die Bauten des Mr. Krug in allen Baukreisen lebhafte Bewunderung erweckten.
Edgar telegraphierte rasch an seine Frau:
»Ich fahre nach Norden und lasse bald von mir hören.
Wie immer Dein getreuer Edgar.«
Und er fuhr gleich darauf in seinem Luftschiff mit Mr. Werner nordwärts.

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Dieses Telegramm aus Ceylon versetzte Miß Clara in die größte Aufregung.
»Es ist«, sagte sie zu Miß Amanda, »ganz unbeschreiblich, was Edgar alles angibt. Jetzt fährt er nordwärts und läßt mich einfach hier, ohne anzugeben, was ich hier allein machen soll. Der Mr. Stephan ist nun auch nach Europa gefahren. Und wir sitzen hier und langweilen uns.«
»Ich würde«, sagte Miß Amanda, »an Deiner Stelle auch nach Europa fahren – gleich zum Lago Maggiore. Da kannst Du ja ruhig darüber nachdenken, ob Du Dich nun scheiden lassen willst oder nicht. Vergiß doch nicht, daß wir eigentlich nur Deiner Scheidung wegen zum Tierpark Nordindien gefahren sind.«
»So?« rief Miß Clara, »und was soll ich denn in Europa anfangen? Das möchte ich doch wissen.«
»Vierzigturmorgel spielen!« lautete die Antwort, »das ernährt Dich übrigens auf allen großen Punkten der Erdoberfläche so gründlich, daß Du schließlich darauf verzichten kannst, die Scheingattin eines reichen Mannes zu sein.«
»Scheingattin?«
Also brauste Miß Clara auf, und sie zitterte vor Wut.
Kurzum: Miß Clara beschloß plötzlich, sofort nach Ceylon zu fahren, um dort über das Ziel von Edgars Fahrt orientiert zu werden. Mr. Löwe und Miß Amanda kamen mit. Und die Drei fuhren in einem großen Luftomnibus nach Ceylon.
In diesem Luftomnibus bemerkte Miß Clara zu ihrer Freundin:
»Du, Amanda, die Einrichtungen in diesem Luftomnibus mögen ja herrlich sein. Aber wer wie ich an Edgars Luftschiff gewöhnt ist, findet doch alles in diesem Omnibus herzlich primitiv.«
Miß Amanda meinte:
»Ei! Ei! Ich vermute, daß Dir weniger an Edgars Luftschiff – als an diesem Edgar selber gelegen ist.«
»So?« sagte leise Frau Clara, »meinst Du also wirklich? Na – Du mußt es ja wissen.«
Auf Ceylon wußte niemand, wohin Mr. Krug gefahren sei.
Miß Clara rang die Hände und sprach mit den Leuten, die zuletzt mit Edgar zusammen gesehen wurden. Und diese fragte sie wieder:
»Mit wem fuhr mein Mann?«
Sie wurde ganz rot dabei, denn sie fürchtete, daß ihr der Name einer Frau gesagt werden würde.
Doch nein! man sagte einfach:
»Mit Mr. Werner.«
»Und wohin wollte dieser?« fragte sie wieder.
Und da lautete die Antwort:
»Zum Aralsee!«
»Ich danke Ihnen!« schrie Miß Clara.
Und nun wollte sie auch zum Aralsee.
Das ging aber nicht so geschwind, da Luftschiffe direkt zum Aralsee nicht fuhren.
So mußte man mehrere Luftomnibusse benutzen. Und man fuhr daher auf zeitraubenden Zickzackwegen zum fernen Aralsee.

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Die Versuchsstation für See-Architektur lag mitten im großen Aralsee; die Ufer des Sees waren von der Station aus nicht zu sehen. Mr. Krug kam mit Mr. Werner nach Sonnenuntergang an. Die Station sah von oben wie ein farbiges Lichtlinienspiel aus; man hatte guirlandenartige Ketten mit bunten Lichtkörpern von Mast zu Mast gezogen. Die Ketten hingen im Bogen herunter oder waren ganz straff. Das wirkte nun von oben wie ein Linienspiel. Die Station lag auf einer großen Anzahl kleiner und großer Schiffe; diese hatten alle möglichen Formen – die meisten rechteckige – doch gab’s auch runde und ellipsenförmige, schiffartige Tragkörper, die sämtlich immer wieder anders miteinander verbunden werden konnten; die Station konnte somit leicht eine ganz andere Form annehmen; auch ließ sie sich beliebig teilen.
Als die Architekten im Luftschiff zusammen ankamen, war die Station scheinbar ein Ganzes. Hundert Architekten und Ingenieure begrüßten den Mr. Krug mit großer Hochachtung; den Mr. Werner kannten alle, die länger auf der Station gelebt hatten.
Das Wichtigste auf dieser Station, die nur von Architekten und Ingenieuren unterhalten wurde und darum nicht über sehr große Mittel verfügte, bestand darin, zu erforschen, welche Baumaterialien am längsten dem Wasser Widerstand leisten könnten.
Bei den Hausbauten oben verwandte man sehr viel Holz mit durchsichtigen Fensterscheiben; die Ampeln an den Guirlanden und auf den Masten bildeten somit für Mr. Krug allein eine Freude. Er sprach gleich über die Verwendung des bunten Glases zu Hauszwecken, man entgegnete ihm, daß das Glas ein ziemlich schweres Material sei, das in allzu großen Massen nicht verwandt werden dürfte.
Indessen – Mr. Krug sollte gleich eine sehr große Freude haben. Man plante ein Klubzimmer mit sehr viel bunt ornamentiertem Glase. Und – um nun die besten Ornamentfenster zu bekommen, hatte man einen Wettbewerb ausgeschrieben; jeder Teilnehmer an dem Wettbewerbe durfte soviel ornamentierte Glasfenster ausstellen, wie er wollte – die Größe des Formates überließ man dem Gutdünken der Künstler.
Oh – dieser Wettbewerb interessierte den Mr. Krug. Und er arbeitete in den nächsten vier Tagen zehn Entwürfe aus. Und sie wurden in verschieden großen Formaten hergestellt.
Da sah’s nun prächtig aus, als eines Abends die ganze Station von Glasfenstern umrahmt erschien.
Alle, die sich auf der schwimmenden Insel befanden, setzten sich auf die Motorboote und umkreisten nun die Insel – immerfort die von innen erleuchteten Glasfenster anstarrend. Jeder durfte zwanzig Fenster als die besten bezeichnen – oder auch weniger. Das Resultat lag bei Aufgang der Sonne vor; Mr. Krug hatte für seine zehn Entwürfe auch nicht eine einzige Stimme erhalten.
Das erregte ungeheures Erstaunen.
»Also«, rief Edgar lustig, »meine Glasbauten auf Chikago machen mich zum berühmtesten Manne. Und hier im Kreise der Berufsgenossen erhalten meine Arbeiten auch nicht eine einzige beifällige Bemerkung. Jedenfalls geht daraus hervor, daß ich mir nicht selber Beifall gezollt habe. So geht es also mit dem Ruhm. Und ich bin ganz fest davon überzeugt, daß alles ehrlich zuging. Es fehlt nicht viel, so verliere ich als Glasarchitekt mein ganzes Ansehen. Da sieht man wieder, wie viel der Ruhm wert ist.«
Nun suchte man den Edgar zu trösten. Doch er wehrte alle Tröstungen sanft lachend ab. »Ich glaube schon«, sagte er, »daß mein ornamentales Schaffen nicht sehr bedeutend ist. In Chikago wirkte nur die ungeheure Masse des Materials. Hier im Intimen hab‘ ich verloren. Das schmerzt mich nicht so sehr; ich bin jedenfalls bereit, die Sieger gelegentlich an der Förderung meiner Bauten teilnehmen zu lassen. Ich bitte um die Adressen der Herren.« Diese Großmut machte einen sehr guten Eindruck.
Doch zu Mr. Werner machte der Edgar ein ganz drolliges Gesicht und meinte zögernd: »Du glaubst nicht, wie mich’s eigentlich freut, daß ich bei dem Wettbewerb so reingefallen bin. Ich halte meine Ornamente wahrhaftig beinahe selber nicht für sehr hervorragend. Man wird meines Erachtens auch niemals seiner Bedeutung wegen berühmt; man wird wirklich nur berühmt, wenn man eine zweifellos gute Sache mit höllischer Energie propagiert. Der berühmteste Mann ist somit nach meinem unmaßgeblichem Dafürhalten wahrhaftig nicht der bedeutendste. Das gilt wenigstens für die Architektur. Es ist das auch ein guter Trost für all die Talente, die nicht so schnell durchdringen; nur wer die stärkste Energie entwickelt, hat mal auf den so zweifelhaften Ruhm zu hoffen. Glaubst Du übrigens, daß mir diese Niederlage schadet? Ich glaub’s ganz bestimmt nicht.«
Mr. Werner sah seinen alten Freund lange mit scheuer Bewunderung an und sagte dann: »Etwas Wahres steckt sicher in Deiner freundlichen Rede. Und sie war gut – wirklich gut.«
Er drückte dem Freunde die Hand.
Und gleich darauf kam ein Telegramm von den Kurian-Murian-Inseln, die an der Ostküste Arabiens liegen.
Dieses Telegramm, das nach den Fidschiinseln gesandt wurde – schon im Makartlande, auf Borneo, im Tierpark zu Nordindien, auf Ceylon gewesen war – enthielt einen neuen großen Auftrag für den Architekten.
»Da siehst Du«, rief dieser zu Mr. Werner, »wie mich das Glück verfolgt! Also: auf zu den Kurian-Murian-Inseln. Du kommst mit. Ich muß nur noch an meine Frau telegraphieren. Die wird denken, daß ich sie total vergessen habe.«
Er telegraphierte sofort ein langes Telegramm an Miß Clara, Tierpark Nordindien.
Und dann fuhren die Beiden wieder im Luftschiff davon, gaben dem Direktorium der Station für Seearchitektur auf dem Aralsee noch guten Rat für das Anbringen der Glasfenster und verabschiedeten sich.
Die schwimmende Insel wurde mit vielen farbigen Scheinwerfern, die kerzengerade zum Sternenhimmel ihr Licht emporsandten, beim Abschiede illuminiert; die farbigen Lichtkegel sahen im Luftschiff famos aus.
Das Luftschiff ließ seine Scheinwerfer unter einem Winkel von fünfundvierzig Grad zu beiden Seiten nach unten zu leuchten und fuhr gen Süden.

Während nun Edgars Luftschiff zu den Kurian-Murian-Inseln eilte, ging sein Telegramm nach Nordindien und von dort nach Ceylon und von Ceylon kreuz und quer dem Luftomnibus nach, der mit Miß Clara und Miß Amanda und Mr. Löwe zum Aralsee fuhr.
In der Station für Seearchitektur kam das Telegramm grade an, als Miß Clara dort erschien.
Da war die Dame sehr traurig.
Und ihre Freundin wurde sehr unwillig.
Mr. Löwe schimpfte.
Und man fuhr nach einigen Tagen zunächst nach Persien. Und da mußte man wieder liegen bleiben.
Und Miß Clara telegraphierte von Teheran zu den Kurian-Murian-Inseln. Das Telegramm blieb aber tagelang unbeantwortet, da Mr. Krug und Mr. Werner dort noch nicht anlangten; man fürchtete dort, daß ihnen ein Unglück zugestoßen sei und telegraphierte an Miß Clara, daß man ein Unglück befürchte.

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