Cervantes

E

Enthält die Darstellung eines ungeheuren Zwei­ kampfes, aus dem ein grosser Dichter als Sieger her­ vorgeht.

ps_047 »Rosinante, ich fordre dich zum Zweikampfe heraus!«
Also rief mit starker Stimme der Dichter Cervantes.
Und was tat das Tier?
Die Haare seines Schweifes sträubten sich plötzlich nach allen Seiten, so dass das Pferd hinten wie ein Igel aussah. Und die Haare stan­ den ganz steif.
Und nun bemerkten wir alle, wie die Schweifhaare immer glänzender wurden und breiter: der Schweif wurde allmählich – zu tau­ send Floretts.
Der Rosinante drehte den Kopf nach hin­ ten, wieherte sehr laut und fuchtelte hinten mit seinen blanken Klingen ganz unheimlich auch in der Luft herum und ging dabei rückwärts – auf den Dichter Cervantes los.
Wir alle hielten den Dichter für verloren -der aber begegnete den tausend Klingen mit verblüffender Gewandheit, schlug Quarten und Quinten und Septimen, so dass es prächtig durch die Frühlingsnacht klang und die Dorfbe­ wohner die Betten über die Ohren zogen, um blos nichts mehr von den mörderischen Kämp­ fen zu hören.
Wie nun der Dichter Cervantes immer hefti­ ger seinen Gegner bedrängte, dessen Floretts scheinbar immer länger wurden, da geschah es, dass die Dichterklinge plötzlich rotglühend wur­ de, so dass die Pferdeklingen für einen Augen­ blick scheu nach allen Seiten auseinanderging­ en.
Diesen Augenblick benutzte der Dichter, um seinen glühenden Degen mitten in die Schweifklingen hineinzustossen.
Und Rosinante wieherte furchtbar laut auf.
Und im selben Moment sass dort, wo so lange der Schweif sass – eine Windmühle.
»Hoho!« rief der Dichter lachend, »gegen Windmühlen kämpfen wir nicht. Ich bin doch nicht der von mir erschaffene Don Quichotte. Ich bin doch nicht der Ritter von der traurigen Gestalt. Keineswegs! Rosinante, ich habe ge­ siegt!«
Cervantes steckte seinen glühenden Degen ein, und der Herr Sandmann rief:
»Mein Herr, Sie werden sich Ihre Scheide verbrennen.«
»Scheide mit Stahleinlage!« sagte Cervan­ tes.
Wir sahen alle die Windmühle an und sperrten den Mund auf.
Cervantes aber sagte:
»Wundern Sie sich doch nicht so sehr, meine Herren! Sie sollten doch schon an die Wunder gewöhnt sein. Sie leben doch in einer Zeit, in der es Wunder genug gibt – alle Tage -Sie leben in einer wundervollen Zeit. Holen Sie lieber die Leiter.«
Fünf Schmiedegesellen rannten in die Schmiede, um die Leiter zu holen.

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