Cervantes

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Erzählt von der Gelenkigkeit des alten Rosinante.

ps_046 Nun stand der riesige Schimmel da in der Mitte der Schmiede und stiess mit dem Kopf nicht an die Decke, dieweil die grosse Schmiede nicht ohne Grund den Namen der »Grossen« führte.
Aber die Türen der Schmiede waren für das Pferd viel zu klein.
Und die Schmiedegesellen krauten sich hinter den Ohren, klopften dem grossen Tier auf die Beine und sahen zu dem riesigen Körper hinauf, der nicht mehr so mager aussah wie einst vor dreihundert Jahren.
»Wie kommen wir hinaus?« fragte ich leise.
Don Quichotte lächelte fein und sagte still:
»Ich kenne mein Pferd, und mein Pferd kennt mich. Passen Sie auf.«
Dann winkte der Ritter seinem Rosinante mit der Lanze, hob das Schild auf, zeigte auf die jetzt wieder geöffnete Doppeltür der Schmiede und pfiff dazu.
Rosinante sank wie ein Kamel erst auf die Kniee der Vorderbeine und legte dann auch die Hinterbeine platt an die Erde, schob den Kopf vor und bewegte sich nun, wie sich eine Schlan­ ge bewegt – und kam so auf die Dorfstrasse, allwo der Schimmel sich gleich wieder aufrich­ tete und dann so dastand auf seinen vier Bei­ nen, als wäre gar nichts vorgefallen.
Die Schmiedegesellen klatschten in ihre schwieligen Hände, dass es durch das ganze Dorf schallte.
Alle Dorfbewohner eilten rasch nach Hau­ se, da sie glaubten, es gäbe eine grosse Schlä­ gerei.
Cervantes aber zog seinen geschliffenen Degen und fuchtelte damit in der Luft herum, so dass wir alle nicht wussten, was es jetzt geben würde.
Der Vollmond schien ganz hell.
Die Bäume in der Dorfstrasse waren noch ohne Laub – aber sehr nass – so dass die Zweige im Mondlicht glänzten.
Die Luft war frisch und mit Nebelstreifen durchzogen.
Der Frühling kam.

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