Cervantes

N

Man spricht von einem grossen Kardinal und von einem grossen Kammerdiener.

ps_045 »Wie«, fragte der Herr Sandmann, »kam denn das mit dem Kammerdiener? Das ist ja eine ganz merkwürdige Geschichte.«
Ein Schmiedegeselle kam und brachte dem Herrn Cervantes den Degen zurück – fein ge­ schliffen und poliert.
Cervantes erhob sich, betrachtete seineYi Degen, steckte ihn in die Scheide und sprach -ziemlich schnell – und öfters stotternd:
»Ja, ja, meine Herren – mein Don Quichot­ te hat ganz recht; ich verstand damals noch nicht, wie wertvoll das schlechte Leben – für uns Dichter – und für alle – Menschen ist. Der Kardi­ nal Julio Aquaviva kam damals nach Madrid -als Gesandter des Papstes – Pius des Fünften. Ein Kardinal versteht es, sehr gut zu leben. Und ich machte leider die Bekanntschaft des Kardi­ nals – und lernte seine guten Weine kennen -seine Puten und Austern – Schnecken und Ha­ sen.«
»Tausend ja!« rief da der Sancho, »dabei bekomme ich noch mal Appetit.«
»Mein Sohn Sancho!« rief aber der Ritter auf dem Amboss, »halte deinen Mund.«
Sancho kraute sich hinter den Ohren und ging zum Rosinante, dem das vierte Hufeisen aufgenagelt wurde – in Stuhlplattengrösse.
Cervantes sprach weiter:
»Und da Hess ich das Dichten sein und folgte dem Herrn Kardinal Aquaviva nach Rom und wurde sein Kammerdiener und – hielt aus -ein ganzes Jahr. Danach aber wollte mir das gute Leben – nicht mehr behagen. Damals sah ich schon – den dicken Sancho Pansa – vor mir. Er wurde lebendig vor mir. Und ich empfand doch, dass diese zweite Hälfte – meines Ichs -nicht zu allen Zeiten angenehm – ist. Die Ge­ mütlichkeit kann auch langweilig werden – und das gute Leben auch. Und deshalb wurde ich damals Soldat, und deshalb will ich heute auch mal wieder auf Abenteuer ausziehen, denn diese Schmiede ist mir ebenfalls zu gemütlich.«
Ich zog meinen Zylinder und fragte höflich, ob ich die drei Spanier begleiten dürfte.
»Aber selbstverständlich!« erwiderte Don Miguel.
Don Quichotte erhob sich von seinem Am-boss, rückte seine Rüstung zurecht, nahm seinen Schild und sagte zu mir:
»Wenn Sie wollen, können Sie auf meinen Schultern sitzen.«
Ich sagte »ja« und dankte dem Ritter in den verbindlichsten Worten.
Sancho rief:
»Unser alter Schimmel ist wieder mal be­ schlagen.«
Und da wurde denn der Rosinante in die Mitte der Schmiede geführt.
Und Alle bewunderten das grosse alte Pferd.

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