Cervantes

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Berichtet vom Hufbeschlag und von den Eisbei­nen und von der Jugend des Cervantes.

ps_042 Don Quichotte wurde befragt, ob sein Ritter­schwert auch geputzt und geschliffen werden müsste, was jedoch der edle Ritter ernst vernein­te. Aber der Rosinante sollte neue Hufe be­kommen. »Die müssen gross sein!« rief der Herr Sandmann und Hess den Schimmel in den Hin­tergrund führen, allwo man gleich mit der schweren Arbeit begann. Sancho sagte nun zu den Schmiedegesel­len: »Meine Herren, kenne Sie vielleicht jene Tiere, die wir ohne Erbarmen »Schweine« nen­nen müssen?« Man bejahte das, und Sancho fuhr fort: »Dann geben Sie mir von diesen sogenann­ten Schweinen einige Eisbeine.« Er bekam das Gewünschte, zog sein Taschenmesser hervor und ass damit, als wenn er vierzig Tage gefastet hätte. Cervantes setzte sich neben mir auf eine Bank, und Don Quichotte stellte sich uns gegen­über und stützte sich mit beiden Händen auf seine Lanze und sprach: »Unser Dichter, Don Miguel de Cervantes Saavedra, war in seinem Leben ein handfester Herr, der nicht immer seinen Zorn mit seinem Witze bekämpfte. Zu Alcalä de Henares ward er am 9. Oktober 1547 geboren als der jüngste Sohn des Don Rodrigo de Cervantes und der Dona Leonor de Cortinas. Und gleich in seiner frühsten Jugend war unser Dichter so aufs Lesen erpicht, dass er auf der Strasse die weggeworfe­nen Papiere sammelte, und immerzu las, blos um seine Wissbegierde zu stillen. Die Folge da­von war natürlich, dass er schon im Knabenalter viele Sonette verfasste. Die Eltern leiteten seine Erziehung und zogen dann mit ihren Kindern nach Madrid.« Jetzt wurden dem Rosinante die neuen Hufe aufgeschlagen, und dabei machten die Gesellen einen solchen Spektakel, Dass Don Quichotte nicht weiterreden konnte und mit zorniger Miene zu seinem alten Pferde hinüber­blickte. Sancho Pansa, der Stallmeister, sass jedoch an einem Amboss und ass seine Eisbeine und liess sich nicht stören. Der Herr Sandmann stand neben dem Sancho und bewunderte dessen Esslust mit grossen Augen.

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