Cervantes

A

Verschiedenes – und was uns abermals in der Müllerstube passierte.

ps_074 Und Sancho Pansa sagte nun, indem er sich be­ mühte, so leise wie möglich zu sprechen:
»Kaum aber war unser Dichter begraben, so war sein Ruhm geboren. Im Laufe der letzten drei Jahrhunderte erschienen 400 Ausgaben in Spanien. Und ausserdem erschienen fast ebenso viele Übersetzungen – nicht weniger als 200 Übersetzungen in England, so dass ich wohl be­ haupten könnte, ich wäre der Urheber, der Grossvater des englischen Humors. In deutscher Sprache sind nur 70 Übersetzungen erschienen. Diese Zahl wird sich hoffentlich bald verdreifa­ chen, damit ich auch behaupten kann, ich wäre der Grossvater des deutschen Humors.«
»Mein Sohn Sancho«, sagte nun Don Qui­ chotte mit weicher Stimme, »Du bist doch wirk­ lich nicht imstande, eine Sache mit Ernst zu be­ handeln. Zuweilen muss ich das bedauern.«
Nach diesem Wort brach die Lanze in der Mitte durch, und ich sah wieder, wie unser Schimmel nach rechts überkippte. Und in der Müllerstube standen wir plötzlich alle auf dem Kopfe, was ganz natürlich zuging, da ja die glücklicherweise sehr niedrige Stubendecke nach unten kam, während das Pferd seine mit Mehlsäcken beladenen Vorderbeine auf seinen Bauch legte – und somit in der Luft auf dem Rücken lag.
Da riss mir aber die Geduld, und ich sagte heftig:
»Aber, meine Herren, das Umgestülptwer­ den mag wohl für die unsichtbaren Zuschauer ein Vergnügen sein – mir macht es keinen Spass.«
Da sagte Sancho:
»Mir auch nicht!«
Cervantes und Don Quichotte sagten das auch.
Ich aber wusste wirklich nicht, was ich dazu sagen sollte – ich schwieg.

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