Cervantes

V

Handelt von Dingen, die zu dieser Geschichte und zu keiner andern gehören.

ps_073 Die Müllerknechte fluchten draussen ganz mar­ tialisch, und ich sagte schnell, indem ich mich umdrehte:
»Könnten sie nicht die Lanze des Herrn Don Quichotte zum Fenster hinausstecken und durch Anpusten soweit verlängern, wie es nötig ist, um das Schwergewicht des Rosinante wie­ derherzustellen?«
Sancho sagte:
»Es ist nur gut, dass Sie auch mal einen schlauen Einfall haben. Das wollen wir so ma­ chen, denn das Gefluche der Müllerknechte ist nicht anzuhören.«
Und er machte es so, wie ich gesagt hatte; es wurde draussen wieder still; die Knechte zo­ gen sich in die Mühle zurück.
Don Quichotte jedoch schlang seinen rech­ ten Arm um den Hals des Cervantes und küsste die Stirne seines Dichters und sagte:
»Nun will ich noch erzählen, wie es mit unserm Dichter zu Ende ging. Ostern 1616 zog er, um seine Brust zu stärken, nach Esquivias, allwo seine Frau Catalina geboren war. Aber er blieb da nicht lange, da es immer schlechter mit ihm wurde; er musste schleunigst nach Madrid zurück. Hier liess er sich die letzte Ölung geben und schrieb dann einen sehr witzigen Brief an den Grafen Lemos. In diesem Briefe widmete er seinem alten Mäcen sein letztes Werk, den Persi-les. Und dann starb der Dichter am 23. April 1616. – 68 Jahre und sechs Monate alt. Irdische Schätze hinterliess der Dichter nicht – wohl aber andre. Begraben wurde der Dichter seinem Wunsche entsprechend bei den Trinitanerinnen ganz einfach – nicht einmal ein Leichenstein zeigt an, wo der Dichter Don Miguel de Cervan­ tes Saavedra ins Innere der Erde hinein gelassen wurde.«
Cervantes sass zwischen den Möbeln neben Don Quichotte – und Haar und Bart waren dem Dichter während der letzten Erzählung schnee-weiss geworden.
Ich stand ganz still und wagte kaum zu at­men.

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