Cervantes

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Die anmutige Schilderung eines Kriegsschauplat­zes, der bei Nacht und Nebel aus der Vogelperspekti­ve betrachtet wird.

ps_066 »Nein!« rief Don Quichotte, »wir haben den Kriegsschauplatz unter uns und tun gut, uns jetzt wieder auf Rosinantens Rücken zu setzen, um die Gegend gründlich inspizieren zu können.«
Schnell kletterte Cervantes durchs Fenster und setzte sich vorne aufs Pferd, hinter ihn setzte sich Don Quichotte – und ich setzte mich wieder auf die Schultern des scharfsinnigen Ritters.
Und dann bewegten sich wieder die Wind­ mühlenflügel und wir schössen pfeilschnell hin­ unter.
Und wir sahen bei Nacht und Nebel im hellen Mondenschein – Wladiwostok und Port Arthur – die Russen und die Japaner – Panzer­ kreuzer und Torpedobotszerstörer – grosse elek­ trische Scheinwerfer und kleine eilige Dampfbar-kassen.
Und das machte alles den Herren Cervan­ tes und Don Quichotte einen fürcherlichen Spass.
Sancho, der jetzt hinter mir auf Rosinantens Rücken stand, hatte weniger Vergnügen an die­ sem militärischen Schauspiel, und er sagte in sehr verdrossenem Ton:
»Dazu bin ich doch wirklich nicht aus der Unterwelt herausgekrochen, um mich hier in ve-ritable Lebensgefahr zu begeben. Ich wollte den dreihundertsten Geburtstag unsres scharfsinni­ gen Ritters feiern helfen – weiter nichts. Ich be­ fürchte jedoch, dass wir hier oben als Zuschauer erkannt werden könnten – und dann schiessen sie uns ihre dummen Granaten ins Gesicht.«
»Mein Sohn Sancho«, sagte Don Quichotte, »Du bist und bleibst ein Hasenfuss für alle Ewig­ keit. Hast du denn gar kein Verständnis für krie­ gerische Unternehmungen?«
»Nein! Nein! Gar keins!« schrie der Sancho.
Da sahen wir, wie aus einer Strandkanone in Port Arthur eine lange Feuersäule hervor-schoss.
Und dass bewegten sich die Lichtkegel der elektrischen Scheinwerfer auf dem Meere hin und her – auf und ab – sehr hastig – so wie Spin­ nenfinger.

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