Cervantes

E

Welches vom Soldatenleben handelt – desglei­ chen von den verdammten Seeräubern.

ps_051 Aber Don Miguel de Cervantes Saavedra war über die Zwischenbemerkungen des Sancho Pansa und des Don Quichotte sehr ungehalten und redete nun sehr heftig und sehr laut in den Sternenhimmel hinein:
»Ihr Beiden, die ihr da hinter mir sitzt, tut euch vorläufig nicht so dicke – damals wart ihr blos ein paar Embryos. Ich aber war sehr stolz auf meine Verstümmelung, trug, als ich aus dem Hospital herauskam, meinen linken Arm in einer seidenen Binde und verheimlichte den Verlust meiner linken Hand keineswegs – was mir durchaus ein martialisches Ansehen gab. Ich war damals anno 1571 erst gute 24 Jahre alt und noch nicht in der Lage, alle Dinge dieser Welt von der komischen Seite zu nehmen. Ich war, trotzdem ich viele Verse machte, Soldat vom Scheitel bis zum Zeh – und zwar ein spani­ scher Soldat. 1572 war ich bei einer Expedition gegen Tunis, 1573 vor Goleta, 1574 in Genua -ausserdem sah ich Florenz, Venedig und Neapel Lucca, Palermo, Messina und viele andere Städte. Fünf Jahre lebte ich als Kriegssoldat und als ein sehr tüchtiger – erhielt aber keine Aus­ zeichnung und keine Belohnung. Und da gaben mir der Don Juan von Österreich und der Her­ zog von Sessa grosse prächtige Empfehlungs­ schreiben, mit denen ich nach Madrid gehen sollte. Und so schiffte ich mich denn auf der spa­ nischen Galeere elSolem – im September 1575 um nach Madrid zu segeln. Und am 26. September 1575 trafen wir auf ein Geschwader von Seeräubern aus Algier. Und diese ver­ dammten Seeräuber waren in der Übermacht -fünf Schiffe gegen eins. Wir fochten wie die Teufel. Aber die Galeere des Dali Mami nahm unsre spanische. Und ich wurde mit meinem Bruder und vielen andern spanischen Edelleu-ten der Sklave dieses verdammten Dali Mami. Wenn ich daran denke, so kommt mir die Ge­ schichte ganz und gar nicht komisch vor.«
Mir jedoch kam das umgestülpte Seifen­ becken, das ich mit meinen beiden Händen festhielt, sehr komisch vor, und ich haute plötz­ lich mit meinen beiden Fäusten drauf los, dass es unheimlich durch die Nachtluft klang.
Don Quichotte sagte feierlich mit seiner ro­ stigen Stimme:
»Mein Herr, Sie scheinen zu meinen, dass mein Helm ein Pferdeschenkel ist. Das ist eine sehr irrtümliche Meinung. Sie tun gut, die Ge­ genstände, die sich Ihrer Betrachtung darbieten, nicht immerzu zu verwechseln.«
Ich sagte stotternd:
»Seien Sie nicht – böse – verzeihen – Sie!«
»Stottern Sie«, rief da der Herr Cervantes, »um mich nachzuahmen und dadurch zu ver­ höhnen?«
»Keineswegs! Keineswegs!« sagte ich hastig.
Sancho sang danach ein spanisches Liebes­ lied – mit einer Stimme – die so klang – als wenn sie gebraten wäre.

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