Briefe an Richard Dehmel

 

An Richard Dehmel

Poststempel: 24.2.96

!,„; O Riccardo! Weisst Du was Humor ist??… – »Jedem derbe auf’n Kopp hauen!«,,,, also definirte heute der Bär! – und mir gegenüber hat Er Hu­mor! Ich muß arbeiten – Tag und Nacht. = wenn »Ich liebe Dich«. Eisenbahn-Roman mit 66 Intermezzos« fertig ist, komm‘ ich mit dem Ma­nuskript zu Dir! Ich schreibe hoffentlich in 3-4 Wochen, wann ich bei Dir sein werde. Die Intermezzos sind schon fertig.

66 Mal

Dein Paulus!?! Herr der Kröten u der Molche

Randbeschriftung:
Ich besitze ein Aquarium und einen Mandarinenmantel

An Richard Dehmel

Richard Dehmel grosser Dichter Pankow Berlin Parkstrasse 25.

Poststempel: 6.8.96 Lieber Richard Dehmel! Mit großer Freude habe ich bemerkt, daß Du end­lich einem frommen Leben zusteuerst und im Wupperthal die Pietisten be­suchst. Das freut mich! Was machen denn die Brüder? Etwas traurig bin ich allerdings, daß Du Dich nicht der allein seligmachenden katholischen Kirche zuwendest. Du nanntest mich in Altona »Eminenz« – das erweckte schon so große Hoffnungen in mir! Na – ich will nicht zu anspruchsvoll sein. Der Kringel aus Burg war wohl ein Symbol des Umsichselbstdrehens, der Einsamkeit, Antierotik und des Kosmotheismus – ja? Und mit der ande­ren Allegorie wolltest Du wohl sagen, daß nur »bekneipte« Seelen ein Herz haben – nicht? Na – laß nur das viele Trinken! Dichten ist viel besser. Bist Du vielleicht mal für mich zu Hause? Meine Zeit ist durch lauter Unsinn so in Anspruch genommen, daß ich nicht gern vergeblich nach Pankow reise – das macht mich auch so traurig. Na – allweil Kosmotheistisch

Dein dicker Paulus


An Richard Dehmel

Poststempel: 25.10.96

Oh Richard! Ich danke Dir! Der Bär sagt: Deine Sachen verstehe er doch
– die seien leicht – meine versteht der Bär nicht.
Hurrah!
Ich grüße Dich, Du populärer Dichter!
Nächstens beiß ich Dir die Nase ab!!
Ich Dein lieber Paulus Randbeschriftung: Prosit Neujahr!
Lach doch nicht so viel! – Ich bin ernst! Ich mach Dich jetzt überall ordentlich schlecht! Das Titelbild ist grandios, die’s verdammen sind dumm!
Zusatz von Franz Servaes:
Mein Richterspruch erfolgt später! Besten Gruss

Servaes

Kleine Zeichnung in der rechten unteren Ecke

 

Franz Servaes an Richard Dehmel

Haiensee, Kurfürstenpark Poststempel: 26.10.96

Lieber Dehmel! Er hat Reue! Er merkt, er fühlt allmählich, dass er doch ei­gentlich recht ruppig heute an Sie geschrieben hat. Zusatz von Paul Scheerbart:
Ich dagegen ruinire Alles! Was willst Du mehr? Mir gegenüber tanzt ent­zückend die sogenannte tolle Welt. Hürrah! Schiess Dich tot. Ich bin tan­zend Dein Paulus Servaes:

Er sagte mir, ich sollte »recht nett« schreiben. Ich sollte ihm nämlich die Wege ebnen. Er war aber leider unfähig, sie zu beschreiten. Somit müssen Sie sich mit dieser lakonischen Begrüssung und Beglückwünschung begnü­gen. Natürlich hält er sich immer noch für den Bedeutenderen.

Besten Gruß Ihr Franz Servaes


An Richard Dehmel
Herrn Dr Richard Dehmel Sexualisten-Häuptling VD. ? ? Pankow b /Berlin Parkstrasse 22.

Poststempel: 11.12.96

Lieber Richard! Mit tiefer Trauer habe ich aus Deiner Karte ersehen, daß Du auch Antierotiker werden willst. Das bricht mir das Herz. Ich hatte ge­hofft, Dich mit meinem Artikel über Anna Costenoble bis ins Mark zu tref­fen – und nun ist es Dir »aus der Seele« geschrieben. Das ist einfach tragiko­misch. Soll ich denn wirklich keinen Feind haben? Gegen den Seelenstachu allein kann ich mich doch nicht wenden. Da mir nun die Antierotik verlei­det wurde, so werde ich mich der Antialkoholik zuwenden. Wir können uns demnach leider nicht sehen, damit ich nicht rückfällig werde. Dein

armer Paulus Randbeschriftung:

Meine Seele ist geborsten. Ihr müsset noch viel unklarer werden. Ich aber will ganz alleine klar sein, denn meine Sucht nach dem Aparten vergehet


An Richard Dehmel         22. Jan. 97
Von Scheerbart gezeichnete Zierleiste am oberen Kartenrand

Lieber Richard! Ja – wenn Dein Weltzimmer so neu aussieht – dann freilich muß ich erscheinen. Feierlich werd ich kommen – so wie’s aechten Welt­geistlichen ziemt. Uebrigens kann ich Dich ja garnicht hassen – denn das paßt ja nicht in mein Programm.

Programmäßig und zielbewußt

Dein

alter

.Paulus


ps_281
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