Briefe an Richard Dehmel

An Richard Dehmel

Poststempel: 23.9.03

Riccardissime! Demnächst wirst Du was Neues hören. Entschuldige mein Schweigen! Heute ist ein herrlicher Tag – der ganze Himmel – blau – ich aber nicht.

Bärengrüsse dem Hause Dehmel

Ich bin

Dein

oller

Paulus


An Richard Dehmel
(An) den Begründer des Erbsen-Mysteriums Herrn Dr Richard Dehmel Blankenese b. Hamburg Parkstrasse 40.

Poststempel: 11.10.03

Heil Dir, edelster aller Kannibalen!! Meine dicke Seele jauchzet Dir ganz
energisch entgegen – obgleich mir garnicht energisch zu Mute ist

7777777 Bärengrüsse für Dein Haus

Dein

altes

Stück Speck.

Randbeschriftung:
ich zeichne Dir ein mystisches Bild – für den 10 October 1903.

An Richard Dehmel
Herrn Dr Richard Dehmel King of the World Blankenese b. Hamburg Parkstrasse 40.

Poststempel: 17.10.03

Richard! Weltmann! Unendlicher! – Ich bin glücklich – Theater Bibliothek Bd 1-5 – und Machtspässe, arab(.) Novellen – Alles erscheint(.) Bär betrun­ken – ich nüchtern(.) Haus Dehmel! Hurrah! Die Eurigenüü!!!

Zusatz von Anna Scheerbart: Er lügt Anna u Paul
Randbeschriftung von Scheerbart:
Er lügt nur in Betreff der Betrunkenheit.
Ich zerbeisse Dich! Essen – Erotik! Ho! Ho!

An Richard Dehmel
(An) jenen Worldking Herrn Richard Dehmel Blankenese b. Hamburg Parkstrasse 40.

Poststempel: 19.10.03

Ganz sanfte bebende Weltgrüße! Es lebe der 26. October 1903! Wir erwar­ten Euch um 3 Uhr! Bis dahin braten wir Neger und Indianer, damit Alles gut aussieht. Meine edle Frau Gemahlin grüßt die Deine und Dich ebenfalls mit gewaltigen Stimmitteln, und ich rufe ganz leise flüsternd: Es lebe der 26. October 1903!

Weltgrüsse – furchtbar schwere – dem Hause Dehmel!

Dein P.C.W.

Randbeschriftung:
Ich wiege übrigens 76 2/3 Kilo und bin 1,78 m groß.

An Ida Dehmel

Charlottenburg 4. November 1903

Sehr verehrter Frau Isi!

Einen peinlich großen Schmerz haben Sie mir bereitet, da Sie mich zwin­gen, Ihrer lieben Einladung mit aller Energie einen Absagebrief entgegenzu­setzen. Wie schwer mir das fällt, kann ich garnicht sagen. Aber es geht nicht anders. Vor Weihnachten soll noch der erste Band meiner Theaterbibliothek und zwar der Rübezahl erscheinen, und vorgestern war ich erst mit den Zeichnungen für die arabischen Novellen fertig. Wenn ich jetzt mit aller Kraft die Zeichnungen für Rübezahl beschleunige – 14 Tage nehmen sie doch in Anspruch – und in 14 Tagen ist der 18. November. Und überstür­zen darf ich die Sache in keinem Falle – und aufschieben darf ich sie ganz und gar nicht – nicht einen Tag! Und so muß ich Ihnen, so schmerzlich mir das auch ist, abschreiben. Werden Sie mir zürnen? Bitte thun Sie’s nicht – es hängt zu viel für mich vom Erscheinen des Rübezahl vor Weihnachten ab  großen Theater müssen sämmtlich vor Weihnachten das Buch haben  da ich eine Aufführung in diesem Winter nicht für unwahrscheinlich halte. Mein Bär wollte durchaus, daß ich fahre – aber ich kann nicht -schon das Denken daran würde mir die Hand verstauchen. Glauben Sie mir bitte das Letztere – es ist so.

7 Trillionen »schmerzlichster« Grüße von Ihrem ergebensten

Paul Scheerbart u. seinem Bären


An Richard Dehmel

Telegramm
Blitzendes Glanzglück wünschet Dir Dein Paulus

An Richard Dehmel

Charlottenburg 21. Febr. 1904

Lieber Richard! Meinen besten Dank für Deine Karte. Mit mir stehts nun so: Erst am 9. Jan. d.J. war ich mit den Rübezahlzeichnungen fertig (50 Stück) – ich hatte 14 Tage der Augen wegen pausiren müssen. Am 14. Jan. d.J. fing ich mit meinem Volksroman »Der Kaiser von Utopia« an. Heute bin ich auf Seite 206 – in 8 Tagen soll Alles fertig sein (c 300 Seiten). Hieraus kannst Du folgern, in welchem Zustande ich mich c 3. März d.J. befinden muß. Verzeih mir daher, daß ich nicht komme; ich muß mich wirklich schonen.Wir ziehen c 26. März d.J. nach Mariendorf b. Berlin, Grossbeerenstr. 7. III [elektrische Bahn Behrenstrasse – Mariendorf (südlich von Tempelhof)]. Hoffentlich wird da Alles wieder gut. Von der Hamburger Ausstellung habe ich keine Ahnung – 26 Zeichnungen wurden von Seraves für 400 Kronen an Miethke, Kunstsalon Wien verkauft. Was der nun damit macht, bleibt mir leider verhüllt; sollte mich M. be­rühmt machen wollen – blos um seine 400 Kronen zurückzuerobern? Grüße Ansorge und schimpf nicht, daß ich Dir die Machtspässe nicht gleich geschickt habe – sie sahen doch zu unvollkommen aus. Theaterbibliothek Band I-VI wird ganz bestimmt besser.

Bärengrüße Deinem Hause!

Dein

alter

Paulus

Randbeschriftung:
p. s. Der Bär macht das denkbar grossartigste Vorsatz- u. Deckelpapier – und
Dein Tritpychon kommt im Sommer von uns Beiden

  ps_h01
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