Briefe an Ernst Rowohlt

An Ernst Rowohlt

Gr. Lichterfelde W. Marschner Str 15.1 9. Oct. 1910.
Sehr geehrter lieber Herr Rowohlt!

Schrecklich leid tut es mir, daß ich mich so ungeschickt ausgedrückt habe. »Vorwürfe« wollte ich Ihnen wahrhaftig nicht machen. Ich wußte, daß ich eigentlich zu viel Adressen aufgegeben hatte, und ich nahm Ihnen nicht im mindesten übel, daß Sie einige fortließen. Ich wollte nur wissen, welche Sie fortließen. Remer schreibt ganz bestimmt. Die 5 Exemplare genügen für diejenigen, auf die zu rechnen. Die meisten der Ausgelassenen können ganz ruhig fortbleiben.

Nun zunächst meinen schönsten Dank für Ihren Brief, für die 5 Perpehs und für die 5 Katerpoesieen. Ich weiß, was Sie für das Perpeh getan haben – das hätte kein Andrer getan – und ich werde Ihnen stets dafür sehr sehr dankbar sein – das können Sie glauben.

Die Listen gebe ich Ihnen zurück, wenn Sie hier sind. Ich denke noch über die einzelnen Adressen nach und werde tun, was ich kann. Heiligsten Dank für die guten Absichten, die Sie mit der »Auswahl« haben.

Nun freue ich mich mächtig auf Ihren Besuch oder auf ein Zusammenkom­men an andrem Ort.

Die Verbindung ist hier sehr gut. Sie können mit V.W.DE 59. bis Händel­platz Endstation fahren. Von dort links die Chausseestr – 2 te Querstr Haydnstr links dann in dieser erste Querstr rechts Marschner – in der Mitte.

Auch gehts von Vorortbahnhof Steglitz mit der Elektrischen, die nach Lich­terfelde Ost fährt – bis Richard Wagner Str, in der erste Querstraße ist Marschner.

Nochmals meinen schönsten Dank für alle Ihre Freundlichkeit – besonders für die … {unleserlich) !!

Mit den besten Grüßen – auch von meiner Frau – bin ich

Ihr sehr ergebener Paul Scheerbart
Ich habe übrigens die feste Ueberzeugung, daß ich mit dem Modell ans Ziel komme. Es ergeben sich aber, wenn eins geht, ganz bestimmt mehrere Fassungen, die nicht als ein Patent angemeldet werden können. Zunächst habe ich nur »Rotationsmotore« im Auge – die ergäben ein Abschlußbuch erster Güte.

An Ernst Rowohlt

Gr. Licherfelde W. Marschner Str. 15.1 14. October 1910.
Lieber Herr Rowohlt!
Schönsten Dank für Ihren freundlichen Brief. Bedaure sehr, daß Sie mo­mentan noch nicht kommen können – aber demnächst – nicht wahr? Die Geschichte mit den Auflagen habe ich geahnt; ich bin niemals allzu opti­mistisch.
Besten Dank, daß Sie noch einige Freiexemplare versenden wollen. Zahn*) will in einem süddeutschen Blatt über das Buch schreiben. Ich habe an
Remer, Baum, Pfemfert, Wiener-Braunsberg Max F. Sebaldt persönlich gesandt.
Ich empfehle nun noch die folgenden, deren Adressen Sie wol noch da haben:
1 Dr. Rudolf Blümner [p. Deutsches Theater] 2M.G. Conrad 3 Dr. Bruno Wille
diese haben schon mehrfach über mich geschrieben.
Von den folgenden fünf sind Kritiken wol zu erwarten:\

Georg Fuchs N.W. 87 Tile Wardenberg Str. 28. [schreibt für die Vos­sische]

Dr. S. Friedländer Haiensee Johann Georg Str 7 [Sturm etc]

Otto Corbach [mir persönlich bekannt – schreibt an 1000 Stellen] Char­lottenburg Waitzstr 3

Philipp Recknagel Steglitz Ahornstr 23 [Volkserzieher]

Dr. Anselm Ruest N.W. Wullenweber Str 12 [evtl Gegenwart oder Zu­kunft oder sonstwo – ich werde ihn persönlich aufmuntern]

Pastor hat in der Tägl Rdschau geschrieben, Schur will fürs Berl. Tagebl schreiben, sagt aber, daß dort noch Kritik über Katerpoesie lagert. Am 12. d. M. also vorgestern gelang mir endlich eine Rotationsmotorenfas­sung, die tatsächlich das erste Ziel ist. Ich glaube fest daran, daß die Sache jetzt gehen wird. Ich setze alles daran, die Sache ausführen zu lassen – muß
mich aber noch etwas gedulden, da die Sache**) doch immer »Arbeitslohn«
beim Schlosser kostet.
Doch nun: auf baldiges Wiedersehen!
Ich telegraphire natürlich, wenns geht.

Mit den besten Grüßen von uns Beiden bin ich inzwischen

Ihr sehr ergebener Paul Scheerbart
Randbeschriftung:
*) hat Buch gekauft
**) Pardon den vielen Sachen!!

Anbei die Listen mit bestem Dank retour.


An Ernst Rowohlt

Gr. Lichterfelde W. Marschner Str. 151 27. Juni 1911
Lieber Herr Rowohlt!
Mit dem letzten Modell wird ganz bestimmt das Resultat kommen. Fraglich bleibt nur die praktische Verwendbarkeit. Darf ich Sie da sehr bitten, mir meinen Contrakt zu senden? Ich werde Ihnen sehr dankbar sein.

Mit vielen Perpehgrüssen

Ihr sehr ergebener

Paul Scheerbart

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